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Teil einer neuen Generation von Festivals: Das Rockavaria am Samstag gut besucht.

Festival-Bericht

Rockavaria: Kiss, Judas Priest & das Theatron - so war Tag 2

München - Kein Festival im klassischen Sinn - und das hat Vorteile. Am Tag zwei war das Rockavaria deutlich besser besucht als am Freitag. Die Konzert-Höhepunkte und welche Arena der heimliche Star des Festivals ist.

Wer am Abend im Stadion spielen sollte, war schon an diesem Samstagnachmittag augenfällig. Auf Brust und Rücken derjenigen, die zum Festivalgelände pilgerten. Vier Buchstaben, viel Vorfreude: Kiss. Und es mochte an den Hardrock-Legenden liegen – oder schlicht an der Tatsache, dass Wochenende war: Am zweiten Tag von Münchens erstem innerstädtischen Festival tummelten sich schon am frühen Nachmittag deutlich mehr Menschen als am Freitagabend.

Rockavaria: Teil einer neuen Generation von Festivals

Mittlerweile hatte jeder es kapiert. Mit Rock im Park, Southside oder dem Chiemsee Reggae Summer hat Rockavaria wenig zu tun. Es gehört zu einer neuen Generation Festivals, die deutschlandweit in Metropolen Fuß fassen: Keine Zeltstadt, keine Wege über Stoppelwiesen, keine Dixie-Klo-Alleen und keine angebrannten Dosenravioli aus dem Gaskocher. Das mag sich mit dem über Jahre gewachsenen Festivalgefühl erst einmal nicht vereinbaren lassen.

Lesen Sie hier: Rockavaria 2015 - So war Tag 1 

Doch spätestens am zweiten Tag erkennt jeder die Vorteile: keine Müllberge, saubere Toiletten, geteerte Flächen und auch am zweiten Tag eher Shampoo-Duft statt schlafsackgesottenem Mief vom Nebenmann. So ein Konzept zieht natürlich auch ein anderes Publikum an, auffallend viele Eltern mit halbwüchsigen Kindern sind zu sehen.

Kissin´ Dynamite bei Rockavaria 2015: Classic-Hardrock aus dem Schwabenländle

Einen ersten Achtungserfolg am Samstagnachmittag erzielte eine Metal-Band aus dem wilden Westen. „Wir sind Kissin’ Dynamite aus dem Schwabenland, und wir treten Euch jetzt in den Arsch“, kündigte Sänger Hannes Braun an. Und hielt Wort. Bis weit über die Mitte der Olympiahalle reckte das Publikum die Hände in die Höhe und tat dasselbe wie die Band. Nämlich so, als wäre es 1987 und Hardrock und Metal gerade am Blühen. Unglaublich, dass sämtliche Mitglieder von Kissin’ Dynamite erst in den frühen Neunzigern geboren wurden. Doch sie scheinen den Classic-Rock-Kanon studiert zu haben und servierten Hardrock-Poesie wie „Love me, hate me, even try to break me“ mit reichlich Verve.

Rockavaria 2015: Mad Caddies bringen das Theatron zum tanzen

Draußen strahlte derweil die Sonne über Rockavaria – und die US-Band Five Finger Death Punch absolvierte vor zahlreichen, eher jugendlichen Fans ihren ersten Deutschlandauftritt. Wem angesichts des schönen Wetters nach sommerlicheren Klängen war, fand im Theatron beste Bedingungen zum nachmittäglichen Feiern. Mal mexikanisch, mal karibisch und bisweilen sogar mit Dixieland-Einschlag brachte dort die bläsersatzgestützte Ska-Punkband Mad Caddies bald alle im Amphitheater zum Tanzen. Zwei weiblichen Fans gelang der Beweis, dass man auch auf fünf Quadratmeter crowdsurfen kann, wenn man nur will. Die Kalifornier wiederum bewiesen, dass auch Kiss- und Motörhead-Jacken tragende, gestandene Mannsbilder bei Ska-Punk nicht sitzen konnten.

Rockavaria Tag 2: Der Abend gehört Judas Priest und Kiss

So ist auch schnell erklärt, warum das Theatron bei Rockavaria andauernd voll besetzt war. So gemütlich wie hier ging es nirgendwo sonst zu. Womit bewiesen wäre, dass auch einem Rock-Festival der ein oder andere Paradiesvogel auf der Bühne gut tut. Doch gegen 19 Uhr wurde selbst die Schlange vor dem Theatron kürzer – und auch die Halle war allenfalls halb voll: Etwas Größeres musste im Stadion vonstatten gehen. Hier war eine noch höher kreischende Stimme zu hören als die von Darkness-Sänger Justin Hawkins: Rob Halfords im Jahr 1969 gegründetes Metal-Monster Judas Priest trat vor einem rappelvollen Rund auf. Mit der Zugabe „Living after Midnight“ konnten sich die Fans schon mal Warmsingen für das, was nach einer Dreiviertelstunde Umbau – Judas Priest hatten in Sachen Bühnenshow nicht gespart – kommen sollte: Kiss. Immer noch vier Buchstaben, noch größere Vorfreude.

Wie war der Auftritt von Kiss? Hier gibt's die Kritik

Rockavaria 2015: Die Highlights vom Samstag in Bildern

Christoph Ulrich

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