So war das Rockfestival in München

Rockavaria 2015: Der Münchner Festival-Geist

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München - Drei Tage Rockmusik, mit Heimfahren, Duschen, Wiederkommen – Kann da überhaupt die richtige Stimmung aufkommen?

Die letzten Klänge von Kiss, noch einmal diese zappelnde Zunge, noch einmal diese weiß geschminkten Gesichter, noch ein paar schillernde Gitarrenriffs der Legenden mitnehmen. Und dann heißt es rennen. 200 Stufen – oder sind es schon wieder mehr geworden? Zum x-ten Mal an diesem Tag wollen alle nur eins: So schnell wie möglich vom Stadion in die Halle. Dort spielen die australischen Rocker von Airbourne als letzte Band an diesem Samstag. Freitagabend war die Halle dicht, bevor Limp Bizkit richtig losgelegt hatte – daraus hat die rockende Menge gelernt. Einen Tag später wird nicht mehr geschlendert, einen Tag später wird gerannt. Rockavaria ist ein Festival des Hin und Her. Kurze Wege, Pendeln, immer wieder.

Rockavaria 2015: Anders aber nicht schlechter

Genießen am See - auch geht bei Rockavaria.

Manchen ist es zu viel, sie liegen schon nachmittags erschöpft auf der Wiese am See. Im Hintergrund krächzen die Gitarren von der Theatron-Bühne. So fühlt sich ein Festival an. Dabei ist Rockavaria gar kein gewöhnliches Festival – sondern viel mehr ein Konzert-Wochenende. Drei Tage lang Rockmusik, mit Heimfahren, Duschen, Wiederkommen. Kann da überhaupt die richtige Stimmung aufkommen?

Das Theatron ist voll – daher nähern sich diese Fans der Bühne von hinten, im Schwanen-Tretboot.

Viele haben das bezweifelt. Tatsächlich ist vieles anders, aber nicht unbedingt schlechter. Rockavaria muss sich warmlaufen, das ist dem Freitag anzumerken. Viele Fans tragen Shirts anderer Festivals: Wacken, Rock im Park, Southside, das Oslo-Sommer-Festival, bei dem Rihanna und Kiss auf derselben Bühne standen.

Das Rockavaria ist am Freitag noch weit entfernt davon, eine Marke zu sein. Ein Indiz: Der erste Tag geht für viele abrupter zu Ende als geplant. Muse hört eine Viertelstunde früher auf, die Olympiahalle, wo Limp Bizkit spielen, ist dicht. Die Theatron-Bühne schon den ganzen Nachmittag. Wer um 23 Uhr also weiterfeiern will, muss sich erstmal einen Stehplatz in der U-Bahn erkämpfen, um in die Stadt zu fahren. Wenn es bis dahin Festivalstimmung gab, ist sie spätestens jetzt verflogen.

Rockavaria 2015: Der Festival-Geist ist da

Nicht ohne meinen Teddy – an der Leine.

Aber die Katerstimmung dauert nur eine Nacht. Am Samstag kommen die musikalisch schweren Geschütze – und mit ihnen die Vollblut-Fans. Schon mittags grinsen aufwändig geschminkte Kiss-Fratzen in der Hardrock-Meute, und auf unzähligen Bäuchen spannen sich Rockavaria-T-Shirts. Hier und da blitzt er auf, der Münchner Festival-Geist. Aber er ist halt doch ein bisschen anders. Kaum Alkoholleichen, keine Klappstühle, keine Regenstiefel. Ein paar routinierte Festival-Gänger versuchen’s am Freitag mit dem obligatorischen „Helga!“-Ruf – aber der Scherz versandet.

Kiss, Judas Priest & das Theatron: So war Tag 2 bei Rockavaria 2015

Das mag daran liegen, dass das Publikum ein anderes ist. Hier sieht man Eltern, die ihren Kindern die eigenen Rock-Idole zeigen. Hier sieht man Paare, die schon zu Kiss- und Metallica-Konzerten gegangen sind, als es Festivals wie Rock im Park noch gar nicht gab. Die meisten Rockavaria-Besucher kommen nicht, weil sie ins rauschhafte Festival-Universum eintauchen wollen – sie kommen aus purer Rock-Sucht, aus Leidenschaft für die Musik.

Mehrere Premieren bei Rockavaria 2016

Das merken sogar die Bands auf den drei Bühnen. Der Sänger von Five Finger Death Punch weiß nach zehn Minuten im Münchner Olympiastadion, mit welcher Art Menschen er es zu tun hat. „You are wonderful“, sagt er immer wieder. Ihr seid wundervoll. Und dieses Kompliment kommt aus tiefstem Rocker-Herzen.

Rockavaria 2015: Die Highlights vom Samstag in Bildern

Katrin Woitsch und Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © Martin Hangen

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