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Rockavaria – wie hier 2016 – wird heuer am Olympiagelände nicht zu erleben sein.

„Letzte Eisen im Feuer erloschen“

Rockavaria gecancelt: Gibt es 2018 einen neuen Anlauf?

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München - Rockavaria wird heuer nicht im Münchner Olympiapark stattfinden. Es war ein Abschied mit langer Ankündigung, denn echte Zugpferde sind rar im Rockbusiness.

Seit mehreren Wochen war diese Absage erwartet worden, am Samstagnachmittag wurde sie auch offiziell verbreitet: Rockavaria wird heuer nicht im Münchner Olympiapark stattfinden. Es wäre die dritte Auflage des Festivals gewesen, das sich auf Rockmusik und Heavy Metal spezialisiert hat. Wie üblich in solchen Fällen, wird über das Ende in dürren Zeilen unterrichtet: „Wir haben hart daran gearbeitet, ein Line-up zu verpflichten, das unseren hohen Ansprüchen gerecht wird“, wird Andrea Blahetek-Hauzenberger zitiert, die Geschäftsführerin des lokalen Veranstalters Global Concerts. „Wir wollen unserer Absicht treu bleiben, Rockavaria nur dann zu präsentieren, wenn es gut genug ist. Nachdem nun unsere letzten Eisen im Feuer erloschen sind, ist das nicht gegeben.“

Blahetek-Hauzenberger lässt dabei offen, ob man 2018 einen neuen Anlauf wagen möchte. Stattdessen zählt die Pressemitteilung all jene Bands auf, die Global Concerts 2017 zu Einzelkonzerten nach München holen wird, darunter Aerosmith, Deep Purple und Kiss. Auch das ist üblich und allzu menschlich in solchen Momenten: Nach dem Eingeständnis, es (vorerst) nicht gepackt zu haben, wird zum Positiven übergeleitet.

Stets hieß es, die Planungen laufen „auf Hochtouren“

Es ist ein Abschied mit langer Ankündigung. Mehrtägige Festivals dieser Größenordnung sind besonders auf das Weihnachtsgeschäft angewiesen. Deshalb ist es üblich, dass spätestens im Advent erste Bands präsentiert werden, die im Folgejahr auftreten – auf dass möglichst viele Eintrittskarten unter den Christbäumen der Fans liegen. 

Wie berichtet, haben die Rockavaria-Verantwortlichen zwar keine Namen genannt, aber auf Anfrage unsere Zeitung stets mitgeteilt, die Planungen für 2017 laufen „auf Hochtouren“. Auch haben sie sich die Tage vom 26. bis 28. Mai im Olympiapark reservieren lassen. Dann kündigte die Deutsche Entertainment AG (DEAG), die Rockavaria zusammen mit Global Concerts veranstaltet, jedoch an, Aerosmith zu einem Freiluftkonzert auf den Münchner Königsplatz zu holen – ausgerechnet am 26. Mai wird sich die US-Band von ihren bayerischen Fans verabschieden. Kein Veranstalter plant jedoch ein solches Konzert, wenn er zur selben Zeit nur knapp vier Kilometer entfernt den Auftaktabend eines dreitägigen Festivals am Laufen hat, das dieselbe Zielgruppe anspricht.

Die Macher verraten natürlich nicht, mit welchen Bands für die 2017er-Auflage verhandelt wurde. Doch die echten Zugpferde sind rar im Rockzirkus. Im November stand fest, dass Rammstein bei der Konkurrenz „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ gebucht sind, und im Dezember wurde klar, dass Guns N‘ Roses am 13. Juni eine Show im Olympiastadion bieten – auch dieses Konzert wird von der Konkurrenz veranstaltet. Mag sein, dass an den Gerüchten, Rockavaria bemühe sich um die Rolling Stones ein Körnchen Wahrheit gewesen ist – gut möglich aber auch, dass es Wunschdenken der Fans war.

Das Rockavaria bot große Namen, aber auch Entdeckungen

Rockavaria hat dem Münchner Kulturleben gutgetan. Gewiss, nicht alles war perfekt bei den ersten beiden Ausgaben. Doch das gehört dazu. Zur Premiere war mit Bands wie Muse, Kiss und vor allem Metallica mächtig geklotzt worden. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Auftritte abgespeckt. Doch mit Iggy Pop und Iron Maiden gab es auch damals große Namen im Programm; gut 38.500 Fans kamen. In beiden Jahren besonders beliebt war zudem die kleinere Bühne am Olympiasee, auf der sich junge Talente vorstellten. Hier war Platz für überraschende Entdeckungen jenseits der etablierten Gruppen. DEAG-Chef Peter Schwenkow hatte vor dem Start von Rockavaria im vergangenen Jahr erklärt, dass der Fortbestand des Münchner Festivals „außer Frage“ stünde. Jetzt ist erst mal das „Feuer erloschen“. Schade.

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