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Der schwüle Klassiker ist ab Mittwoch im Deutschen Theater zu erleben.

Deutsches Theater

Rocky Horror Show: Kumpeltyp mit High Heels

München - Ab Mittwoch ist der Klassiker "Rocky Horror Show" im Deutschen Theater zu sehen: Darsteller Rob Fowler im Interview über seinen Einsatz als Frank’n’Furter in München.

Schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt mit stilisiertem Totenkopf-Aufdruck, so steht Rob Fowler auf der kleinen Bühne und singt Frank’n’Furters „I’m going Home“ aus der „Rocky Horror Show“. Doch es sind nicht irgendwelche Bretter, auf denen er das Lied vorträgt. Es sind die des Royal Court Theatres in London, wo am 16. Juni 1973 Richard O’Briens längst kultiges Musical Premiere feierte. Fowler schlägt die Hacken seiner roten, spitzen High Heels zusammen – eine erwachsene Version der roten Schuhe, die Dorothy in „Der Zauberer von Oz“ trägt.

Nach Einsätzen in den Spielzeiten 2008/ 2009 und 2011/ 2012 übernimmt der Brite nun erneut die Rolle des promiskuitiven, bisexuellen, Frauenkleider tragenden Schlossbesitzer Dr. Frank’n’Furter in der „Rocky Horror Show“. Auf ihrer Tournee durch Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und Luxemburg macht die Produktion ab heute sowie im August Station im Deutschen Theater in München.

Schuhe wie eine Waffe: Rob Fowler mit MM-Mitarbeiterin Teresa Pancritius.

„Ich habe mir von dem Film ,The Rocky Horror Picture Show‘ nur diese Szene angesehen, weil ich nicht wusste, wie ich sie spielen soll“, erzählt Rob Fowler über „I’m going Home“ in gutem Deutsch, in das er ab und zu englische Sätze mischt – er lebt mit seiner Frau und den Kindern in Berlin. Fowler hat aber nicht Tim Currys reduzierte Darstellung übernommen, sondern interpretiert das Lied emotionaler. Der aktuelle Frank’n’Furter ist kleiner, als er auf der Bühne wirkt. Mit seinen dunkelbraunen Augen blickt er sein Gegenüber freundlich an, gerne bereit, begeistert von seiner Arbeit zu erzählen. Rob Fowler ist ein Kumpeltyp, mit dem man sofort in den nächsten Pub oder auf ein Rockkonzert gehen würde.

Auf seine 42 Jahre weisen nur vereinzelte graue Stoppeln in seinem Fünftagebart hin. Als Frank’n’Furter ist er glatt rasiert, trägt seine dunkelbraunen Haare weißblond. Gekleidet ist er unter anderem ganz in Schwarz, mit Netzstrümpfen, Strapsen, einer Korsage und fingerlosen, langen Handschuhen, einer auffälligen Kette um den Hals – und natürlich den roten, spitzen High Heels. Seine zahlreichen Tätowierungen „werden mit Öl eingerieben, damit sie schön glänzen“, sagt Fowler augenzwinkernd. Das passt zu seiner exzentrischen Rolle. „Frank’n’Furter trägt keine Frauenkleider, weil er eine Frau sein will, sondern weil sie für ihn Stärke symbolisieren“, meint Fowler. „Er hat nie die Wirklichkeit gesehen, sondern nur B-Movies, in denen die Frauen immer das starke Geschlecht gewesen sind.“

Rob Fowler, der gelernte Automechaniker für historische Formel-1-Wagen, hat erst mit 25 Jahren die Bühne für sich entdeckt. Es habe ihn fasziniert, was das Theater in einem bewegen kann, sagt er im Rückblick. Der Brite studierte Gesang und begann seine Karriere als Schauspieler im Key Theatre in Peterborough (Cambridgeshire), wo er in Shakespeare-Produktionen auftrat. Im Deutschen Theater in München war er etwa 2007 als Joe in der Latin-Pop-Opera „Carmen Cubana“ zu sehen. In der Castingshow „The Voice of Germany“ von Pro Sieben/Sat.1 erreichte er 2012 das Halbfinale.

Momentan arbeitet Rob Fowler an einem eigenen Musical. „The Boy Next Door“ erzählt einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte, er verarbeitet darin den frühen Tod seines Vaters. 20 Lieder hat er dafür geschrieben. Die Nachricht, die das Musical transportieren solle, laute „Carpe Diem – Nutze den Tag“. Ein Motto, das sich der Künstler auf seinen rechten Unterarm stechen ließ. In seinem eigenen Werk möchte Rob Fowler allerdings nicht mitspielen. Bis das fertig und bühnenreif ist, dürfen ihn nun Münchner Theatergänger wieder auf der Bühne erleben – natürlich nicht ohne seine roten High Heels.

Vorstellungen ab Mittwoch bis 22. März, zusätzlich von 4. bis 9. August; Telefon 089/ 55 23 44 44.

Teresa Pancritius

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