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Die Lieder kennt jeder: Die Rocky Horror Picture Show ist ab März in München zu sehen.

Premiere im März

Rocky Horror Picture Show: Kult-Musical in München

München - Absoluter Kult: Die Rocky Horror Picture Show. Bald ist das Musical im Deutschen Theater in München zu erleben.

Eine Reifenpanne – und das mitten auf einer einsamen Landstraße und bei strömendem Regen. Gut, dass sich in der Nähe dieses Schloss befindet, dessen blau-leuchtende Glaskuppel schon von weitem zu sehen ist: „There’s a light... over at the Frankenstein Place.“

Seit über 40 Jahren klopft das frischverlobte Paar Janet und Brad an die Tür von Dr. Frank’n’Furters Heim und wird in eine Welt der sexuellen Begierde hineingezogen, die eine Reihe schräger Figuren bevölkert. Und fast genauso lange verkleiden sich die Zuschauer, singen und tanzen mit, spritzen mit Wasserpistolen. 1973 feierte Richard O’Briens Musical „Rocky Horror Show“ Premiere im Londoner Royal Court Theatre. Zwei Jahre später folgte der Film „Die Rocky Horror Picture Show“ – beides ist inzwischen Kult. Das Musical in der Inszenierung von Sam Buntrock geht wieder auf Tournee, erneut dabei ist etwa Rob Fowler als Frank’n’Furter. Im März und August gastiert es im Deutschen Theater in München.

Oakley Court, das neugotische Schloss Frank’n’Furters mit seinen dunklen Steinen und der verwinkelten Architektur, wurde 1859 im Weiler Water Oakley in der Grafschaft Berkshire an der Themse gebaut. Da die Bray Studios ganz in der Nähe liegen, war es ein beliebter Drehplatz. Heute ist das Schloss ein Luxushotel. Der Haupteingang wird von zwei Fabelwesen mit schuppigen Körpern und gebogenen Schnäbeln flankiert. Genauso unwirklich erscheint der Park. Unwirklich romantisch.

Der Besucher kann die vorbeifahrenden Schiffe beobachten, während er die knirschenden Kieswege entlanggeht. Holzgeschnitzte Tiere scheinen auf den Rasen springen zu wollen, der wohl mit der Nagelschere gestutzt wurde. Auch Christopher Biggins bleibt stehen und schaut sich um. 40 Jahre war der Schauspieler nicht mehr in Oakley Court, seit er für die Verfilmung des Musicals als Transilvanier vor der Kamera stand. „Man glaubt gar nicht, dass es derselbe Ort ist“, sagt er, nachdem er sich auf einem der Ledersofas im Kaminzimmer zurückgelehnt hat. Auf den Tischchen stehen zum Nachmittagstee Etageren voller warmer Scones, Schüsselchen mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade. Bevor der 66-Jährige von den Dreharbeiten erzählt, muss er erklären, wie der Engländer Scones isst. „Zuerst die Marmelade und dann die Clotted Cream – nicht umgekehrt.“

So gemütlich wie heute war es damals nicht. „Das Schloss war eine Müllhalde, die Tapeten blätterten ab, es war windig und kalt. Wir tranken Brandy, um uns aufzuwärmen“, erzählt Biggins und lacht sein lautes, ansteckendes Lachen. Die aufstrebenden Schauspieler Susan Sarandon und Barry Bostwick – Janet und Brad – hätten auf ihn den Eindruck gemacht, dass sie gar nicht hier sein wollten. „Sie wirkten abgehoben.“ Biggins liebte seine Rolle, erzählt er. Trotz engem Drehplan von zehn Wochen und schmalem Budget. „Aber ich hätte nie gedacht, dass sich jemand den Film 40 Jahre später ansehen würde. Menschen sprechen mich immer noch mit ,It’s just a jump to the left‘ an, und ich singe dann weiter.“

„The Time Warp“, „Sweet Transvestite“, „I’m Going Home“ – seinen Teil zur Entstehung dieser kultigen Lieder hat der Komponist Richard Hartley beigetragen, der zusammen mit Richard O’Brien an der Musik des Musicals arbeitete. Die beiden fast gleichaltrigen Männer lebten damals nahe beieinander. „Richard ist mit einer Idee zu mir gekommen, wir arbeiteten daran, dann ging er nach Hause und schrieb über Nacht etwas Neues“, erzählt der 70-Jährige mit seiner rauen, fast flüsternden Stimme. Zweieinhalb Wochen hatten die Darsteller für die Proben zur Verfügung. Nur wenige konnten singen, deshalb wurde viel Sprechgesang eingebaut, sagt Hartley.

Am 19. Juni 1973 feierte die „Rocky Horror Show“ Premiere im mit 60 Sitzen ausgestatteten Theatre Upstairs des Royal Court Theatres. Es befindet sich im vierten Stock, die Bühne ist winzig, vor ihr stehen einige Reihen alter, mit abgewetztem Leder bezogener Bänke. Hartley blickt sich um. „Damals befand sich die Bühne auf der anderen Seite und war nur halb so groß.“ Keine guten Voraussetzungen, möchte man meinen. Doch das Licht dort in Frankensteins Schloss, es leuchtet immer noch.

Teresa Pancritius

Info

Premiere ist am 4. März im Deutschen Theater München; Vorstellungen bis 22. März, zusätzlich von 4. bis 9. August; Telefon: 089/ 55 23 44 44.

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