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Roger Waters spielte - überschattet von den politischen Diskussionen - am Mittwochabend in der Olympiahalle.

Nach Antisemitismus-Diskussion

OB Reiter distanzierte sich von seinem Konzert - So schoss die Rock-Legende in der Olympiahalle zurück

Am Mittwochabend spielte die Rock-Legende Roger Waters in der Olympiahalle in München. Im Vorfeld des Konzertes distanzierte sich der OB Dieter Reiter von dem Künstler - der kontert von der Bühne aus.

München - Nein, Roger Waters kann es nicht stecken lassen. Bis kurz vor 23 Uhr ist er ein souveräner Rockstar, der in einer exzellenten Show Klassiker seiner Band Pink Floyd sowie neue Solonummern aufführt. Nach dem Dank für die lautstark demonstrierte Zuneigung wird Waters dann vor der Zugabe „Comfortably Numb" zum griesgrämigen Politaktivisten. 

Der Münchner Oberbürgermeister hatte sich tags zuvor offiziell von Waters distanziert, weil dieser durch die Unterstützung der Boykottaufrufe gegen israelische Waren antisemitische Stimmung erzeuge. Waters wies diesen Vorwurf sichtlich empört zurück und stellte angedrohte Auftrittsverbote kontroverser Künstler in die Nähe von Bücherverbrennungen der Nazis.

Viel Applaus, aber man weiß nicht so genau wofür. Für den tatsächlich bemerkenswerten Musiker Waters? Oder die Botschaft, dass er sich für die Menschenrechte allgemein einsetze, unabhängig von Herkunft oder Religion? Oder weil das Publikum sowieso in Jubelstimmung ist? Man weiß es nicht, darf aber vermuten, dass die meisten einfach wollen, dass es weitergeht mit der Show. In der fast restlos ausverkauften Münchner Olympiahalle sitzt mutmaßlich niemand, der ernsthaft darüber debattieren will, ob der Boykott von Waren aus israelisch besetzten Gebieten ethisch legitim ist, wo genau diese besetzten Gebiete liegen und ob das den Palästinensern schadet oder nützt. Weil die Fans sehr zurecht vermuten, dass das keine Fragen sind, die man am Rand eines Rockkonzerts seriös verhandeln kann. 

Die Diskussion ist ohnehin längst entglitten, der Tonfall ist mitunter grenzwertig und Waters selber findet womöglich auch ein wenig Gefallen daran, sich als missverstandener Retter der Entrechteten zu geben. Das alles ist sehr schade, denn das eigentliche Ereignis, also das Konzert, war grandios. So brillant beschallt wurde die Olympiahalle lange nicht mehr, visuell ist das phänomenal in Szene gesetzt, spätestens wenn nach der Pause plötzlich die Battersea Power Station von der „Animals“-Albumhülle buchstäblich vor einem schwebt, stockt einem der Atem. 

Die Musiker bleiben dem unverwechselbaren Klang von Pink Floyd treu, ohne wie eine Coverband zu klingen und insbesondere die Sängerinnen Jess Wolfe und Holly Laessig verleihen den Liedern ungeahnten Glanz. Bei „Pigs“ fliegt das berühmte Plastikschwein herum. Darauf keine Provokationen wie in früheren Konzerten, sondern der Satz „Bleibe menschlich“. Darauf kann man sich ja nun einigen. 

Zoran Gojic

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