Kein Fraktionszwang: Merkel gibt Abstimmung über Ehe für alle frei

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Rokokoteppich voller Reißnägel

- Wenn ein so renommierter Musiker wie Heinz Holliger das Münchner Rundfunkorchester dirigiert und dann noch gleich zweimal Farbe bekennt, dann sollten die Rundfunk-Oberen hinhören statt abschalten: Vor dem "Vorhang auf!"-Konzert am Sonntagnachmittag im Prinzregententheater lobte Holliger den dramaturgisch sinnstiftenden Programmaufbau von (Ex-Geschäftsführer) Gernot Rehrl, "der leider nicht mehr für würdig befunden wurde, diesen Job zu machen". Nach dem Konzert rief er das heftig applaudierende Publikum auf, sich per Brief an den Intendanten gegen die Auflösung des Orchesters zu wehren. Klare Worte, zwischen denen viel unbekannte, frische und höchst lebendige Musik erklang, über die Holliger liebenswert plaudernd viel Wissenswertes verriet.

Klare Worte des Dirigenten<BR><BR>Im Stehen absolvierten Geiger und Bratscher ("lauter Solisten"), unterstützt von Celli, Bässen und Cembalo, das Concerto Nr. 5 aus den 1740 entstandenen "Concerti armonici", als deren Komponist mittlerweile der holländische Graf Unico van Wassenaer enttarnt wurde.<BR><BR>Ganz auf Transparenz bedacht, gewährten Dirigent und fast ohne Vibrato musizierende Streicher Einblick in die kontrapunktischen Verstrickungen, die feine Linienführung. Der letzte, tänzerisch-spritzige Satz des Concerto, das man lange Pergolesi zuschrieb, animierte Igor Strawinsky 1919 zu seinem "Pulcinella"-Ballett, dem abschließenden Höhepunkt des Nachmittags.<BR><BR>Doch zuvor überraschte eine kleine, feine g-moll-Symphonie von Johan Baptist Vanhal, einem Vorfahren Haydns und Mozarts. Von Holliger temperamentvoll herausgefordert, riskierte das Rundfunkorchester den totalen Einsatz: Es spielte rhythmisch pointiert und dynamisch lebendig über klanglich-spieltechnische Defizite hinweg, die auch größere Orchester plagen. Auf jeden Fall eine Ehrenrettung für den vergessenen Vanhal.<BR><BR>Als "einen Rokokoteppich voller Reißnägel" beschrieb Holliger Strawinskys "Pulcinella"-Musik, die mit dem Pergolesi/Wassenaer-Satz ihre Kapriolen treibt. Mit Freude am Kniffligen lotste der Dirigent die engagierten Musiker durch die rhythmischen Verschiebungen und aparten Klangkombinationen (vor allem der Bläser). Unterstützt vom Sängertrio - Sara Mingardo (Alt), Bruce Sledge (Tenor) und Antonio Abete (Bass) -, gelang eine musikalisch plastische Aufführung, die der verschwommenen Schattenriss-Bebilderung nicht bedurft hätte.<P><BR> </P>

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