Das zurückhaltende Lächeln scheint so gar nicht zu seinen Filmen zu passen: Doch der deutsche Hollywood-Regisseur Roland Emmerich mag es, wenn im Kino Unterhaltung und Denkanstöße geboten werden, wie er in unserem Gespräch erklärt. Foto: etienne laurent/ dpa

Interview

Roland Emmerich zum Kinostart von „White House Down“

München - Hollywood-Regisseur Roland Emmerich spricht im Interview über seinen neuen Film „White House Down“ , in dem er zum dritten Mal das Weiße Haus zerstört.

Mit Kinohits wie „Independence Day“, „The Day After Tomorrow“ oder „2012“ hat sich Roland Emmerich als erfolgreichster Deutscher in Hollywood etabliert. Am Donnerstag läuft sein neuer Actionthriller „White House Down“ bei uns an. Anlässlich der Galapremiere des Films beim Festival von Deauville trafen wir den gut gelaunten 57-jährigen Star-Regisseur zu einem Vier-Augen-Gespräch in der Villa Cartier.

Sie haben einmal gesagt, Sie bräuchten Harmonie am Set und würden deshalb nur mit Schauspielern arbeiten, die angenehm im Umgang seien. Woher wussten Sie, dass Ihre „White House Down“-Hauptdarsteller keine Zicken oder Fieslinge sind?

Nun, mein Nachbar in Los Angeles ist mein Regie-Kollege Taylor Hackford, der mir immer wieder von Jamie Foxx vorgeschwärmt hat, nachdem er mit ihm „Ray“ gedreht hatte. Und Channing Tatum hat ohnehin einen hervorragenden Ruf in der Branche – jeder scheint ihn zu lieben.

Und hat sich der Ruf bestätigt?

Ja, ich liebe ihn jetzt auch! (Lacht.) Sein persönlicher Ehrgeiz ist es, möglichst alle Stunts selbst zu machen. Dabei kommt ihm zugute, dass er als ehemaliger Tänzer über eine fantastische Körperbeherrschung verfügt. Trotzdem hatte ich immer ein bisschen Angst, denn wenn bei diesen Stunts etwas schiefläuft, ist die Kacke am Dampfen!

Wie lief es mit Jamie Foxx?

Jamie ist ein Geschenk, ein Improvisations-Genie. Ungefähr 60 Prozent seiner Dialoge im Film stammen von ihm – vor allem hat er viel erfrischenden Humor eingebracht. Er meinte immer: „Sag mir einfach, wenn es zu viel wird.“ Ich musste ihn nie bremsen, denn er spürte selbst ganz genau, wo die Grenze zur Karikatur lag.

Sie zerstören nun schon zum dritten Mal das Weiße Haus. Finden Sie es etwa so hässlich?

Nein. Es lässt sich ja in Actionfilmen kaum vermeiden, dass mal das eine oder andere Gebäude draufgeht. Aber ich laufe nicht durch die Gegend und überlege mir, was man alles zerstören könnte – das ist immer durch die jeweilige Filmhandlung motiviert. Ich habe auch gar nichts gegen das Weiße Haus, ich stehe nur der amerikanischen Politik oft kritisch gegenüber. So fürchte ich zum Beispiel, dass die Rüstungsindustrie, die mit Kriegen ihre Profite macht, das Land langsam ruiniert. Und ich glaube, das kommt in meinem neuen Film auch deutlich zum Ausdruck.

Stimmt. Es fällt überhaupt auf, dass Sie in Ihren Actionfilmen oft politische oder ökologische Themen ansprechen – etwa das Problem der Erderwärmung in „The Day After Tomorrow“. Sind Ihre Filme quasi Trojanische Pferde?

Ich mag es, wenn man im Kino gut unterhalten wird und zusätzlich noch ein paar Denkanstöße bekommt. Drum versuche ich immer, etwas in meine Filme einzubauen, das über das reine Entertainment hinausgeht, und meine Möglichkeiten als Regisseur für meine persönlichen Überzeugungen zu nutzen. Das war schon bei „Independence Day“ so, der ärgerlicherweise als „patriotisch“ gebrandmarkt und missverstanden wurde: Da ging es im Kern darum, dass ein afroamerikanischer Jude und ein Weißer gemeinsam gegen das Böse kämpfen.

Wie hat sich das Filmgeschäft in den vergangenen drei Jahrzehnten verändert?

Es ist kälter geworden – wie auch in der Politik dreht sich alles nur noch ums Geld. Als Regisseur müssen Sie sich mit immer mehr Leuten auseinandersetzen, die mitbestimmen wollen. Wenn du zu einer Besprechung gehst, erschrickst du erst einmal und fragst dich: „Was um Himmels Willen machen denn alle diese Typen hier?“ Mein Vorteil ist, dass ich nie unnötig Geld ausgebe und dass meine Filme stets wesentlich billiger waren als vergleichbare Großproduktionen. Es gibt nicht viele Regisseure, die solche Filme in so kurzer Zeit und mit so knappem Budget drehen können. Insofern habe ich mir ein gewisses Standing und bestimmte Freiheiten erarbeitet, die mir hoffentlich erlauben, noch eine Weile weiterzumachen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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