Rollmops in Bankfiliale

- "Rotzlöffel gschtinkerte", "Saufratzen greislige", "Halunken odraade" - üble Flüche, kein Zweifel. Für einen wie Gerhard Polt und für seine Spezln von einst müssen diese Verwünschungen jedoch so etwas wie Adelstitel gewesen sein, hieb- und stichfeste verbale Beweise dafür, dass der jeweilige Streich geglückt ist. "Hundskrüppel - Lehrjahre eines Übeltäters" lautet konsequenterweise der Titel seines jüngsten Buchs, ein schmales, aber sehr gehaltvolles Traktat.

<P>Mit seiner singulären Mischung aus mundartlich gefärbter Umgangs- und artifiziell geschraubter Hochsprache entführt der Kabarettist seine Leser in seine Kindheit, hauptsächlich ins München der frühen Nachkriegszeit, und lässt in kurzen Szenen den damaligen Zeitgeist wiedererstehen. Keine wohlfeile Zerstreuung, nirgends. Polts Fernseher war der eigene Blick auf seine Welt, sein Freizeitpark die Großstadt. Kinder liefen damals so mit und trugen hauptsächlich "Dreeg" in gute Stuben. Kein Wunder, dass man irgendwie Widerstand leisten musste.<BR><BR>Das Sündenregister des kleinen Gerhard ist lang und soll hier nicht im Detail referiert werden. Doch Delikte wie das heimliche Deponieren eines gut abgehangenen Rollmopses in den Räumen einer Bankfiliale verraten Originalität. Eine gewisse Brutalität lässt einen mitunter zusammenzucken, und doch ist diese Beichte alles andere als platte Prahlerei. Subtil richtete sich das subversive Tun Polts und seiner Freunde gegen jede Art von Willkür. Und dabei ist es bis heute geblieben.Rudolf Ogiermann</P><P>Gerhard Polt: "Hundskrüppel". <BR>Kein und Aber Verlag, Zürich, 107 Seiten; 12.90 Euro.</P>

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