"Romeo und Julia" - Im Nest der Geliebten

- Romeo ist ein leicht entflammbarer, eitler Liebhaber, Julia ein schwebeleichtes, niedliches Schmetterlingswesen, der Brautvater ein polternder Tyrann, die Amme ein sensationsgieriges Weib. Und schließlich treibts den in die Verbannung eilenden Romeo noch einmal aus der engen Jeans heraus und zurück ins Nest seiner Julia, denn die Nachtigall wars ja und nicht die Lerche, die die Liebenden versehentlich aufgeschreckt hat.

Eigentlich hat Christoph Brücks Inszenierung von Shakespeares "Romeo und Julia", mit der das Münchner Gastspieltheater Kempf nun auf Tournee geht, bei ihrer Waldkraiburger Premiere alles richtig gemacht. Und es mag geschmäcklerisch klingen, wenn man einwendet, allzu richtig. Aber glatt und vielseitig verwendbar wie die Podest-Bühne mit ihrer Marmor-Optik ist diese Klassikerinszenierung ausgefallen, leider zugleich auch wenig charakteristisch und vor allem: wenig leidenschaftlich.

Warum hier für die Liebe gestorben werden muss, das ist für den Zuschauer kaum nachvollziehbar im Zusammenspiel von Toks Körners locker-flockigem Romeo mit Stephanie Kellners kindlich-staunender Julia. Kippt die muntere Liebeskomödie erst einmal in die todbringende Tragödie, schafft es das Ensemble nicht, in die seelischen Grüfte der Figuren hinabzusteigen. Tragik ist eine wie auf dem Maskenball zur Schau getragene traurige Fratze. Ausnahmen müssen erwähnt werden: Kellners Julia hat das Potenzial zu reifen.

Nico Jilka spielt einen putzigen Diener Peter sowie einen schön verbissenen Tybalt. Und dass Achim Grauers schillernd akrobatischer Mercutio sterben muss, ist auch vom Standpunkt des Zuschauers aus bedauerlich. Möglich allerdings, dass sich -vielleicht in einem intimeren Ambiente als dem Waldkraiburger "Haus der Kultur" -diese Inszenierung allmählich Feuer und Charakter erspielt.

28.9. in Garching (Bürgerhaus), 13.10. in Unterhaching (KUBIZ), 23.10. in Ansbach (Borkholderhaus), 25.10. in Germering (Stadthalle), 16.11. in Ottobrunn (Wolf-Ferrari-Haus). Karten gibt es bei den jeweiligen Veranstaltern.

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