Romeo und Julia zeitlos schön

- Gegen das gängige PR-Tamtam von Veranstaltern ist man ja inzwischen immun: von wegen "First Class Production" und "Ausnahmequalität". Aber im Falle ihrer neuen "West Side Story" hat die Mannheimer BB Promotion gehalten, was sie vorab getrommelt hatte. Der Musical-Klassiker, der eben auch nicht wenige Weichspül-Auflagen erleiden musste, erspielt sich in Joey McKneelys originalgetreuer Inszenierung wieder die herbe Ehrlichkeit dieses Romeo & Julia-Dramas zwischen den aufgeheizten sozialen Fronten, wie sie Jerôme Robbins,

<P>Leonard Bernstein (Musik) und Stephen Sondheim (Songs) 1957 direkt am Puls der Zeit auf die Bühne brachten. Schon 1961 bei der Münchner Premiere und jetzt wieder jubeltoste es im Deutschen Theater.</P><P>Überschäumende Vitalkraft<BR><BR>Robbins (1918-98) gehört im Show-Biz als auch in der Ballett-Neoklassik zu den wichtigsten US-Tanzschöpfern. Darum bittet der Robbins-Trust nicht nur zur Kasse, er macht auch hohe künstlerische Auflagen. Und hier geht mal für alle die Rechnung auf: die Crew nicht nach hübschem Gesicht, sondern nach Charakter und Können gecastet. Diese Jets und puertoricanischen Sharks powern durchgehend mit der Aggressivität jugendlicher Banden. Was hier explodiert vor Schwarzweiß-Projektionen der ärmlichen New Yorker West Side (Set & Licht-Design: Gallis/Halbsgut) - und zwar so grandios unmittelbar im Tanz -, ist dieses Gefühlsgemisch aus bitterem Existenzdruck und der überschäumenden Vitalkraft des amerikanischen Völkergemischs. </P><P>Und so, wie McKneely seine Darsteller tanzen lässt, nie glattig-schön, immer vom inneren Motor getrieben, rasant, scharfkantig, wirkt dieses Schrittmaterial, auch da, wo man die 50er-Jahre wiedererkennt, nie altmodisch, sondern einfach zeitlos. Da kommt kein Robbins-Epigone ran. Aber es stimmt auch alles andere: vom Szenenwechsel im Atem dieser farbigen Musik, fein und voll im Griff von Donald Chan mit Orchester im Graben, bis zu den immer noch wunderbaren Songs (prima: beidseitige deutsche Laufschrift), über Musical-Niveau hinausgehend traumschön gesungen vor allem von Carolann Sanita (Maria) und Sean Attebury (Tony). <BR><BR><BR></P>

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