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Den Film im Blick: Regisseur Ron Howard bei der „Inferno“-Premiere in Berlin.

Interview zum Kinostart

Ron Howard entfacht Dan Browns „Inferno“

Berlin - Ron Howard hatte bereits eine erfolgreiche Schauspieler-Karriere hinter sich, ehe ihm 1984 mit „Splash“ der Durchbruch als Regisseur gelang. Seitdem inszenierte er Kinohits wie „Apollo 13“, „Der Grinch“ und „A beautiful Mind“. Wir sprachen mit dem 62-Jährigen über seine dritte Dan-Brown-Verfilmung „Inferno“.

Warum haben Sie nicht zuerst „Das verlorene Symbol“ verfilmt, Dan Browns dritten Roman über den Harvard-Professor Robert Langdon?

Ron Howard: Wir haben es vergeblich versucht. Es gab zahlreiche Drehbuch-Entwürfe, die aber allesamt dem Roman nicht gerecht wurden und zudem so gut wie nichts Neues gegenüber unseren ersten beiden Langdon-Filmen boten. Als dann „Inferno“ in die Buchläden kam, wusste ich sofort: Diese Geschichte bietet interessante filmische Herausforderungen – und eine Möglichkeit, die Hauptfigur weiterzuentwickeln.

„Inferno“ ist schon Ihr sechster Kinofilm mit Tom Hanks. Was verbindet Sie beide?

Ron Howard: Wir ticken ähnlich, vertrauen einander, haben fast denselben Geschmack und lieben es, verschiedene Genres auszuprobieren. Mit Tom verbringt man gern seine Zeit, weil er so ein witziger und spritziger Gesprächspartner ist – und einer der intelligentesten Köpfe im Filmgeschäft. Tatsächlich hat er viel mit dem Romanhelden Robert Langdon gemeinsam: Auch er ist von Neugierde getrieben, hat einen trockenen Humor und kann sich in ein Rätsel verbeißen wie ein Hund in einen Knochen.

Langdon besitzt keine Superkräfte, und seine einzige Waffe ist sein Grips. Ist das ein Handicap für einen Actionregisseur?

Ron Howard: Im Gegenteil. Das macht die Sache für mich so interessant und frisch und ungewöhnlich: Während ansonsten im Kino derzeit Superhelden, Spezialeffekte und Schießereien dominieren, haben wir hier eine wirklich heroische Filmfigur, die nur ihren scharfen Verstand und ihr enormes Wissen benutzt, um die Welt zu retten.

Wie sieht es denn mit Ihren eigenen Helden-Qualitäten aus? Haben Sie in Krisensituationen schon mal Mut bewiesen?

Ron Howard: Also, wenn es um die Rettung der Welt geht, sollte man sich lieber nicht an mich wenden! (Lacht.) Im Ernstfall würde ich eher Cheryl um Rat fragen, meine Frau. Sie ist eine wahre Heldin.

Inwiefern?

Ron Howard: Sie ist willensstark und entschlossen – und behält stets einen klaren Kopf. Als unsere Tochter Bryce (die Schauspielerin Bryce Dallas Howard; Anm. d. Red.) etwa acht Jahre alt war, blieb die Kleine eines Tages an einem hervorstehenden Nagel hängen. Es war entsetzlich – mir wurde schon vom bloßen Hinschauen schlecht. Aber Cheryl schaffte es sofort, unsere weinende Tochter zu beruhigen und die Wunde zu versorgen. Sie weiß einfach immer, was zu tun ist.

Derzeit läuft noch Ihr Beatles-Dokumentarfilm „Eight Days a Week“ in den Kinos. Wenn man dem Internet glauben darf, sind Sie zudem an einem Dokumentarfilm über Donald Trump beteiligt...

Ron Howard: Das ist eine Fake-Doku, eine Satire für die von Will Farrell gegründete Internetseite „Funny or die“. Pure Fiktion. Ich spiele darin mich selbst und behaupte, ich hätte bislang unveröffentlichtes TV-Bildmaterial aus den Achtzigerjahren über Donald Trump gefunden. Und Trump wird von Johnny Depp verkörpert. Sehr lustig.

Wünschten Sie, Trump wäre ebenfalls Fiktion?

Ron Howard: Trump ist ein narzisstischer Dampfplauderer, der seit Jahrzehnten nichts anderes tut, als Werbung für sich selbst zu machen. Er nutzt die Situation geschickt aus, um Menschen, die von Ängsten und Nöten und Frustrationen umgetrieben werden, mit lauten, simplen Parolen einzufangen. Ein klassischer Demagoge – aber leider nicht der einzige auf dieser Welt. Man kann nur hoffen, dass die Wähler mal fünf Minuten nachdenken und dann ihr Kreuz an der richtigen Stelle machen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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