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Ronja von Rönne schreibt über Depressionen

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Ronja von Rönne
Ronja von Rönne als Laudatorin in der Alten Oper bei der 29. Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises. © Frank Rumpenhorst/dpa

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten Krankheiten. Trotzdem ist das Thema häufig noch ein Tabu. Eine Reihe von Autorinnen und Autoren möchte das ändern - unter ihnen Ronja von Rönne.

Berlin – Als sich die Autorin Ronja von Rönne vor einiger Zeit in eine psychiatrische Klinik einwies, machte sie das auf Instagram publik. Depressionen sollten nicht tabuisiert werden, sagt sie - und ist damit nicht allein.

Schon länger wächst das Bewusstsein für mentale Gesundheit gerade in den Sozialen Medien. Aber nicht nur dort. Auch eine ganze Reihe Bücher ist darüber in letzter Zeit erschienen. Nun hat auch Ronja von Rönne darüber geschrieben - ihr Roman „Ende in Sicht“ erscheint diesen Mittwoch.

Eine tragikomische Geschichte

Viele der jüngeren Veröffentlichungen über Depressionen oder Angststörungen sind autobiografisch geprägt und Sachbücher. Man denke etwa an die Influencer Cathy Hummels und Fabian Nießl oder an Kurt Krömer, der im März ein Buch darüber veröffentlicht. Ronja von Rönnes Roman aber ist fiktional. „Ich hab' dieses Buch – auch wenn es um Depressionen geht - nicht wegen der Depression geschrieben, sondern trotz der Depression“, erzählte die in Berlin lebende 29-Jährige vor kurzem in dem NDR-Talk „Deep und deutlich“.

„Ende in Sicht“ ist ein tragikomischer Roman, der von zwei Frauen erzählt, die beide ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Die sich dabei zufällig über den Weg laufen und merken, dass in ihnen irgendwie doch noch ziemlich viel Leben steckt (was aber nicht bedeutet, dass alles in dieser Geschichte gut geht).

Die 69-jährige Hella war einst eine berühmte Schlagersängerin, die sich auf den Weg in die Schweiz macht, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Auf der Autobahn fällt ein Mensch auf ihre Motorhaube – die 15-jährige Juli, die sich von einer Brücke in den Tod stürzen wollte, jetzt aber nur leicht verletzt ist. Hella nimmt Juli mit, ein ungeplanter Roadtrip beginnt.

Lakonischer Erzählton

Ronja von Rönnes Buch ist kurzweilig, liest sich oft wie ein Drehbuch und könnte sich gut als Schullektüre eignen. Stilistisch vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas zu bemüht pfiffig, tut der lakonische Erzählton dem schweren Thema auf jeden Fall gut.

Über Angststörungen schreibt die Erzählerin zum Beispiel: „Weil die eigene Spezies während der Evolution einen Moment lang nicht aufgepasst hatte, hatte sie sich versehentlich nicht zu einem hochbegabten Affen entwickelt, sondern zu einem verunsicherten Menschen: ein ziemlich kahles Säugetier, das im Gegensatz zu seinen Vorfahren echt schlecht klettern konnte, aber dafür sehr gut darin war, sich vor allem Möglichen zu fürchten. Sogar vor Dingen, die noch gar nicht da waren und wahrscheinlich nie passieren würden.“

Rönne ist geschult darin, Dinge (als Autorin, Journalistin und Moderatorin) auf den Punkt zu bringen. So zum Beispiel auch in der „Zeit“, für die sie regelmäßig schreibt. Jüngst rief sie in der Wochenzeitung dazu auf, Depressionen nicht als künstlerische Voraussetzung zu romantisieren.

Immer wieder thematisiert sie die Krankheit in der Öffentlichkeit. Schreibt etwa in der „Zeit“ über ihre Empfindungen: „Ich liege im Bett, weil alles andere unmöglich ist, das Zimmer ist abgedunkelt. Kein Fernseher läuft, ich lese kein Buch. Ich starre an die Decke, und meine Hauptbeschäftigung besteht darin, zu hoffen, dass es irgendwann aufhört.“

Es geht immer noch um ein Tabuthema

„Depressive Störungen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen“, informiert das Bundesgesundheitsministerium. Schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen erkrankten demnach irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung.

Trotzdem sprechen wir von psychischen Krankheiten nicht mit derselben Selbstverständlichkeit wie von körperlichen. Den meisten wird es leichter fallen, sich etwa bei ihrem Arbeitgeber wegen Grippe krank zu melden als wegen Depression.

Autorinnen wie Ronja von Rönne tragen dazu bei, dass sich daran etwas ändern könnte. Zumindest für die jüngere Generation ist die Psychologin und Psychotherapeutin Hendrikje Schmidt, die im Start-Up „krisenchat.de“ Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene psychologisch berät, da zuversichtlich.

Im NDR-Talk „Deep und deutlich“ sagte sie: „Ich glaube es ist tatsächlich so, dass man einen offeneren Umgang in der jungen Generation jetzt sieht, mit dem Thema allgemein, und auch sowieso wird ja gebrochen mit solchen Stigmatisierungen und Stereotypien (...).“

Ronja von Rönne: Ende in Sicht, dtv Literatur, 256 Seiten, ISBN 978-3-423-28291-8 dpa

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