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Eindrucksvoll: der Rag'N'Bone Man.

Konzertkritik

Der „Lumpensammler“ 

München - Vor drei Jahren gab Rory Graham, der sich seither „Lumpensammler“ nennt, seinen Beruf als Heilerziehungspfleger auf, um sich ganz der Musik zu widmen. Jetzt spielte der Rag’n’Bone Man erstmals im ausverkauften Münchner Backstage.

Die Geschichte klingt vertraut: Ein ehemaliger Hip-Hopper findet sein Glück erst in der Nähe von Soul, Gospel und Blues – und in der Folge zu breiter Anerkennung bei Publikum und Kritik. Bei allen Parallelen zur Erfolgsgeschichte des US-amerikanischen Blues-Konvertiten Evernote finden die Höhenflüge des Rag’n’Bone Man aus Großbritannien auf einer vergleichsweise gemäßigten Ebene statt: Weniger die Gefahren des Geschäfts für Leib und Leben ließen den 1985 im Südosten Englands geborenen Rapper in Richtung Blues liebäugeln. Bei ihm war es eher die Folge einer konsequenten Entwicklung hin zum eigenen Klang, die ihn schließlich zwischen den Wurzeln der schwarzen Musik heimisch werden ließ. 

Jetzt kam der Chart-Stürmer erstmals nach Deutschland

Vor drei Jahren gab Rory Graham, der sich seither „Lumpensammler“ nennt, seinen Beruf als Heilerziehungspfleger auf, um sich ganz der Musik zu widmen. Die BBC fand Gefallen am dunklen und eingängigen Sound des authentischen Hünen, der die Musik aus der Plattenkiste seines Vaters – Blues, Soul und Funk – mit modernen Beats und akustischem Songwriter-Pop mischte. Für drei Konzerte kam der Chart-Stürmer nun erstmals nach Deutschland – unter anderem in die ausverkaufte Backstage-Arena, die er zu Beginn mit seiner mächtigen Stimme und nur von der Gitarre begleitet wärmte.

Seine Fans feiern ihn als Heilsbringer

Da konnte die brav Tonspuren reproduzierende Band anschließend noch so radiotauglichen Background-Pop aufzaubern: Am lautesten brandete Jubel nach den leisen Stücken auf. Zum Beispiel, als der Rag’n’Bone Man seine neue Single „Thinking About You“ nur mit Klavier-Begleitung präsentierte. Das war eigentlich seiner (kaum hörbar) angegriffenen Stimme geschuldet, brachte aber beim ablenkungsfreien Zuhören auf den intensiven Songtext eine Erkenntnis. Natürlich sind die Hit-Single „Human“, das hypnotische „Lay My Body Down“ oder das angegospelte „Hell Yeah“ gute Nummern. Dass ihn seine Fans aber als eine Art Heilsbringer des Pop feiern, verdankt der bärtige Brite der Tatsache, dass er persönliche Inhalte und damit Wahrhaftigkeit in ein Genre bringt, das sich sonst schnelllebiger Oberflächlichkeit verschrieben hat.

Christoph Ulrich

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