Rostocker Intendant gekündigt

Es ist das vorläufige Ende eines monatelangen Dauerstreits: Dem Generalintendanten des Volkstheaters, Steffen Piontek, wurde fristlos gekündigt, wie Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) am Mittwoch bekanntgab.

Damit sei auch der vor wenigen Tagen vereinbarte Aufhebungsvertrag ungültig. Dieser hätte es Piontek ermöglicht, mit der Premiere Mitte September die Inszenierung von "Carmen" zu Ende zu bringen. Laut Vertrag, der nach Methlings Worten eine Abfindung von rund 300 000 Euro vorsah, wäre Piontek von den übrigen Pflichten eines Intendanten befreit gewesen. Bis zur Bestellung eines Nachfolgers werde der frühere Generalmusikdirektor Peter Leonard das Theater übernehmen.

Zur Kündigung war es nach Worten Methlings gekommen, weil Piontek Verträge mit vier leitenden Mitarbeitern noch zu einem Zeitpunkt verlängert haben soll, als die Anwälte beider Seiten bereits über den Aufhebungsvertrag verhandelten. "Das ist ein Skandal", betonte der OB. Der Intendant, dessen Vertrag regulär bis zum Jahr 2012 läuft, sei dazu auch prinzipiell nicht berechtigt gewesen. Bereits 2007 hatte Methling dem Intendanten mit Kündigung gedroht, nachdem dieser entgegen den Sparvorgaben 15 neue Mitarbeiter eingestellt haben soll.

Wie zerrüttet das Verhältnis der Hauptakteure ist, zeigt die Äußerung Methlings über die Mitarbeiter, deren Verträge verlängert werden sollten: "Das Verwerfliche ist, das sind genau die Leute, die mit ihm "die Diktatur des Pionteks" im Theater durchgesetzt haben." Besonders empörend sei, dass Piontek den Vertrag mit dessen Ehefrau, die als Dramaturgin am Volkstheater beschäftigt ist, gleich um vier Jahren und nicht wie bisher üblich um ein Jahr verlängern wollte.

Piontek, der im Urlaub in Rom von den Nachrichten überrascht wurde, verwies auf die entscheidende Sitzung des Hauptausschusses der Bürgerschaft Ende August. Bereits am Dienstag hatte er seine Hoffnung so formuliert: "Ich hoffe, dass die Klugheit sich noch Bahn bricht." Er kündigte an, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Zudem irre sich Methling; er sei als Intendant zur Unterzeichnung der Verträge durchaus berechtigt gewesen. Als er die Gespräche mit den Mitarbeitern geführt habe, sei vom Aufhebungsvertrag noch keine Rede gewesen. Auch seien die Verträge vom Chef der Theaterverwaltung nicht unterschrieben worden und hätten deshalb keine Rechtsgültigkeit.

Seit Monaten streiten sich mit zunehmender Schärfe die Spitzen von Stadtverwaltung und Theater um die Finanzierung des Volkstheaters. Der Landesrechnungshof mahnte schon vor zwei Jahren Kürzungen der städtischen Zuschüsse für das Theater mit seinen 350 Mitarbeitern an. Die Finanzprüfer hatten die vergleichsweise schlechte Auslastung der Vorstellungen gerügt. Laut Methling standen 2007 dem Theaterbudget von 17,6 Millionen Euro Einnahmen durch Eintrittsgelder von 1,5 Millionen Euro gegenüber. Innerhalb von vier Jahren sollte das Budget auf rund 14 Millionen Euro gekürzt werden. Die Hansestadt mit ihren 200 000 Einwohnern ist mit insgesamt 400 Millionen Euro verschuldet.

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