Roter Klangteppich für die Frontfrau

- Wenn Stars das Genre wechseln, Schauspielerinnen also "plötzlich" singen, schaut - oder besser - hört man besonders gut hin. Bei Katja Riemann beispielsweise. Und weil das so ist, kommt auch der (rock-)musikalische Neuzugang ("Bandits" hin oder her) nicht umhin, auf offener Bühne demonstrativ über dieses "Wagnis" zu sinnieren - und die Skepsis, die den Schritt ans Mikrofon begleitet. Dabei müsste sie doch gar nicht viele Worte verlieren, sondern einfach nur - singen. Was sie glücklicherweise auch tat beim Auftakt zu ihrer "Favourites"-Deutschlandtournee im Münchner Lustspielhaus.

<P>Denn Stimme hat die kühle Blonde. Und was für eine. Mal zart, dann wieder fast metallisch hart, mal lyrisch, dann wieder kompromisslos rockig - und immer mit sattem Vibrato. Gedämpfte Stimmung herrscht vor, vor allem im ersten, deutschsprachigen Teil. Und mag die Metaphorik auch einigermaßen konventionell und die Thematik irgendwo zwischen Liebeslust und Liebesleid nicht gerade neu erfunden sein, bei Titeln wie "Ich flieg' davon", "So manche Nacht" oder "Floß" tritt jeder Text sofort hinter die Magie der Interpretation zurück.<BR><BR>Doch Katja Riemann wäre kein Ereignis ohne ihr Oktett. Dass sie sich für diese bemerkenswerte (junge) Truppe entschieden hat, spricht für die Seriosität, mit der sie das "Wagnis" angeht. Unter der musikalischen Leitung von Michael Merkelbach (auch Trompete) hat sich eine Formation gebildet, die ihrer prominenten Frontfrau einen roten (Klang-)Teppich par excellence ausrollt. Vor allem Andreas Henze am Kontrabass und Christian Thomé´ am Schlagzeug sorgen, unterstützt von Gitarrist Christian Kögel, für herrlich aufgeraute Rhythmen, die allen Stilen vom kühlen Jazz bis zum hitzigen Funk einen ganz eigenen Charakter geben. <BR><BR>Raffiniert eingesetzt auch elegische Farben von Klavier (Andreas Schmidt) und Cello (Anna-Susann Hammer). Nicht zu vergessen Co-Sängerin Angela Chinyere-Ordu, die ebenso verlässlich wie selbstlos den Star unterstützt.<BR><BR>Eigenes und Standards wie "My Funny Valentine" oder "Fly Me To The Moon" - bei Katja Riemann bestens aufgehoben. Und wenn sie nun auch noch "on stage" ganz zu sich findet, könnte man fast glauben, die Musik sei ihre eigentliche Profession.</P>

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