Routine gibt es nicht

- Eine bemerkenswerte Karriere hat Ute Lemper aus ihrer westfälischen Heimat über das Wiener Max-Reinhardt-Seminar auf Musical-, Theater-, und Konzertbühnen in allen Kontinente geführt. "Cats" in Wien, "Cabaret" in Paris, drei Jahre allabendlich "Chicago" in London und am Broadway sowie das große Repertoire des französischen Chanson, des Berlins der 30er-Jahre: Die Sängerin, Schauspielerin und Entertainerin ist in vielen Stilen zu Hause. Erstmals hat sie nun selbst komponiert und getextet. Das neue Album "But one day" mit eigenen Stücken und Liedern von Piazzolla, Eisler, Brel und Weill stellt sie gerade auf einer Welttournee vor - heute Abend um 20 Uhr auch im Münchner Prinzregententheater.

Sie sind pausenlos unterwegs. Wie erhalten Sie Ihre künstlerische hohe Qualität trotz Fliegerei und Jetlag? <BR><BR>Lemper: Das Künstlerische mischt sich wenig mit den Begleiterscheinungen wie der vielen Reiserei. Gerade komme ich aus Japan, das war schon recht schwierig mit dem Jetlag. Innerhalb Europas bewege ich mich mit meiner Band mittlerweile problemlos. Alle alltäglichen Dinge fallen weg, zwischendurch kann man ausschlafen, das Tourleben ist zu meistern. <BR><BR>Pflegen Sie Rituale in Ihren Konzerten, mit denen Sie sich auf die Mentalität Ihrer jeweiligen Station einstellen? <BR><BR>Lemper: Ich richte die Conférance meiner Shows auf die einzelnen Länder aus. Man kann mit den verschiedenen Sprachen und Eigenheiten der unterschiedlichen Zuhörer prima spielen. Im Latino-Bereich wie Italien, Spanien und Südamerika funktioniert das besonders gut. Dort ist heißes Temperament angesagt. Im nordischen Europa ist wiederum jedes Land, jeder Humor anders. Ein einheitliches Ritual ist schon aufgrund der verschiedenen Sprachen, die ich auf den Bühnen spreche, nicht möglich. <BR><BR>Ihre neue CD versammelt neben theatralisch anmutenden Chansons auch Ihre vier aufwändig orchestrierten eigenen Lieder. Ist dies Ihr persönlichstes Album? <BR><BR>Lemper: Hin und wieder habe ich schon einmal Texte übersetzt und auch eine französische Platte produziert. Es ist nun an der Zeit, meinen eigenen musikalischen Weg zu gehen. Ich möchte eine Brücke vom letzten Jahrhundert zum gegenwärtigen schlagen. <BR><BR>Wie äußert sich Ihr Lampenfieber nach so vielen Jahren Erfahrung? Stellt sich eine Art Routine ein? <BR><BR>Lemper: Wenn ich die Bühne mit einer gewissen Gelassenheit betrete, kann ich die Spannung, um die es dort oben geht, viel besser finden. Die wirkliche Geschichte und Musikalität entstehen nur durch Entspanntheit. Lampenfieber erlebt man bei Pannen oder wenn Unvorhergesehenes geschieht. Beim Tourauftakt in Frankfurt steckte der Schlagzeuger auf dem Flughafen von Mailand fest und erreichte den Konzertsaal erst zur Pause. Wir haben das gesamte Programm umgestellt, die leiseren Lieder vorgezogen, spontan auf die Situation regiert. Routine gibt es in diesem Beruf nicht. <BR><BR>Ihre Kinder Max und Stella können nicht immer an Ihrer Seite sein. Wie meistern Sie den Spagat zwischen weltweiter Bühnenkarriere und Rolle als Mutter? <BR><BR>Lemper: Das ist ein tagtäglicher Balanceakt, der nicht immer gut geht. Länger als zehn Tage bin ich nicht von ihnen getrennt. Im Moment sind sie beim Vater in New York und besuchen mich nächste Woche auf der Tour. Zu Hause verbringe ich jede freie Minute mit ihnen. Sie lernen meinen Beruf und mein Leben intensiv kennen und teilen die Leidenschaft, mit der ich singe und auftrete. Wenn Stella sagt, "Mami, I miss you", steige ich auch schon mal kurzentschlossen ins Flugzeug oder lege eine Pause ein. Flexibilität ist nicht immer zu realisieren, aber ich kämpfe dafür. <BR><BR>Das Gespräch führte  Felix Mauser <BR>

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