Tod in Ruanda

- Ein metallener Geier schwebt über dem Sand, darin Fragmente von tönernen Gesichtsmasken: ein Massengrab. Mörder, Richter, Verantwortliche und Verantwortungslose haben sich darum geschart. Daneben noch eine Menge niedergemetzelter Opfer, verkohlte Holzstelen. Der Völkermord in Ruanda - ein Thema für die Kunst? Was die Politik totschwieg, findet nun seinen Platz zwischen vermittelnder Ästhetik, Anklage und sozialer Aufarbeitung. Kofi Setordji aus Ghana verleitet im Münchner Völkerkundemuseum mit seinen "Wunden der Erinnerung" zu dem, was man jahrelang nicht getan hat: zum genauen Hinsehen.

<P>1994 wurde in Ruanda binnen hundert Tagen fast eine Million Menschen getötet. Keine ethnischen Konflikte, sondern das rigorose, brutale Vorgehen des Ein-Parteien-Regimes gegen alle Andersgesinnten. Das Schlimmste dabei: Die Welt schwieg dazu. Die Blauhelm-Truppen der Vereinten Nationen wurden abgezogen, vor ihren Augen ein Blutbad. Noch heute lastet das Trauma auf dem Land, viele verschließen weiter die Augen.<BR><BR>Setordji eröffnet sensible, umfassende Sichtweisen. Aufgerüttelt durch die Nachrichten, arbeitete er zwei Jahre lang an dem Hauptwerk. Er zeigt keine abschreckenden Schlachtenbilder. Eher zu ansprechend greift er zurück auf alte und neue afrikanische Kunst, benutzt Holz, Altmetall, Kanister. Die Opfer tragen nur Nummern auf der Stirn, die Beobachter starren mund- und widerspruchslos. Der Gerichtshof vor dem Totenkopf, die Gefolterten mit Eisendraht um den Augen, die Machtelite als Masken - sie alle unterstehen einer mahnenden "Gerechtigkeit".<BR><BR>Da sind aber auch das wissende Auge der Medien, die Mitläufer und die Profit-Träger versammelt. Setordjis Rauminstallation ist eine große Frage: Was ist Völkermord? Was sind die Voraussetzungen, wer lässt das zu, wem nutzt er? Es ist ein dichtes Gefüge an Tätern, die dem Geschehen mitunter sehr fern sind. Im Völkerkundemuseum ist man mitten drin.</P><P>Bis 7. März, Katalog fünf Euro. Vortragsprogramm: Tel. 089/ 21 01 36 100.<BR></P>

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