Rudi Hurzlmeier: "Wollen Sie meine Putzfrau werden?"

- Der Rabe schreitet missmutig über das farblose Stoppelfeld, die Beine gestiefelt, der Federkragen hochgestellt. Dem gehen doch allerhand hämischer Unsinn und boshafte Gedanken durch den Kopf, möchte man meinen. Und irgendwie erinnert das Tier fatal an seinen Schöpfer: Rudi Hurzlmeier.

Mit einem Hauch impressionistischer Vergänglichkeit und einem sarkastisch scharfen Strich, mit einem feinen Gespür für Stimmungen und Farben setzte sich die Hurzlmeier-Krähe mitten hinein in die Maltradition -­ und setzt sich darüber hinweg mit einem Augenzwinkern. Wer die "Meisterwerke der komischen Periode" im Olaf-Gulbransson-Museum Tegernsee anschaut, darf weder prüde noch zimperlich sein. Aber er darf schwelgen in einer Anlehnung an Kitsch und Klassik.

Wenn der Zauberlehrling nur auf die untere Hälfte seiner zersägten Frau schielt, die restaurierende Klosterfrau die Jesusfigur kastriert, wenn gefallene Engel aus rosa Wolken schweben und Pferd und Nashorn, von blauen Schmetterlingen umkränzt, in einer grünen Idylle kopulieren, so ist das noch harmlos. Hurzlmeier liebt es kräftig und direkt, oft unter der Gürtellinie, dafür malerisch immer überaus korrekt. Genau diese Gegensätze machen seinen Erfolg und seine Akzeptanz beim breiten Publikum aus. So hat sich das niederbayerische Klosterkind bzw. der wilde Gelegenheitsarbeiter seit Mitte der 80er-Jahre zu einem Underground-Cartoonisten und schließlich zu einem Satiriker-Star gemausert. Der Autodidakt mit dem hohen malerischen Anspruch und den Zitaten aus der Kunstgeschichte hat der Karikatur zu Aufwind verholfen.

Da finden sich auch romantische, surreale Berglandschaften und die beliebten, messerscharfen Tierporträts mit dreisten und menschlichen Zügen, da labt sich ein Pferd an seinem Reiter, und walzt die Rennpferd-Masse auf den Zebrastreifen zu. Drei obszöne Affen sind die Neuinterpretation der Weisheit, und der Heiratsantrag der feinen Gesellschaft lautet: "Wollen Sie meine Putzfrau werden, Agnes?". Hurzlmeier ist immer der Wolf im Schafspelz, der die menschliche Herde entlarvt. Neben diesen augenfälligen Irritationen sind die abstrusen Geschichten in feinem Schwarzweiß die Blüten des morbiden Humors: Wahrlich "schlimm", wie sich die Alte ihren Galgen strickt. Und zeitlos aktuell wie der Rest.

Bis 25. Februar, Katalog: 25 Euro. Special mit Gerhard Polt am 14. Januar im Schloss; Tel. 08022/ 33 38.

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