Ein Rückblick mit Milde

- Sex, Drogen und Rock'n' Roll: Ein Durchschnittsleben haben die Rolling Stones gewiss nicht geführt. Teil zwei und drei des Klischees bedienen Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ronnie Wood in ihrer Autobiografie "According to the Rolling Stones - das Buch" sehr kräftig: "Es war ganz normal, dass Musiker LSD nahmen und dann mit einer Flasche Jack Daniels auf die Bühne gingen", erklärt Schlagzeuger Watts.

<P>Hamburg/München - Bei diesem Lebensstil sind manche Wegbegleiter auf der Strecke geblieben. Ausführlich und auf nicht immer schmeichelhafte Weise gehen die vier verbliebenen Bandmitglieder auf den 1969 unter nicht ganz geklärten Umständen gestorbenen Brian Jones ein. "Brian wollte im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, tat es aber nicht. Zu Brians Kummer und seinem Absturz trug bei, dass er der Anführer sein wollte, aber leider nicht genug Talent dafür hatte", erinnert sich Watts.<BR>Dass auch andere Bandmitglieder in der für die Gruppe schwierigen Phase Ende der sechziger Jahre abgestürzt sind, zeigen einige der mehr als 300 Fotos. Besonders schlimm ist es nach der Schilderung von Keith Richards bei den Aufnahmen zum Album "Their Satanic Majesties/ Request" zugegangen: "Ich habe praktisch keine Erinnerung mehr an diese Sessions. Mein Gedächtnis ist total leer. Wir waren wirklich so drauf, wie wir auf dem Cover aussehen."</P><P><BR>Wer sich durch den 360 Seiten starken Wälzer kämpft, erfährt einiges über die Musikgeschichte und deren Protagonisten: zum Beispiel über John Belushi, Chuck Berry, James Brown, Jeff Beck, Alexis Korner, Phil Spector oder Muddy Waters. Schüsse unter die Gürtellinie haben die Rolling Stones dabei nicht abgegeben.</P><P><BR>Auch mit manchem Mythos räumt das Buch auf: "Alle Welt redete über die Konkurrenz zwischen den Beatles und den Stones und den ganzen Mist, aber zwischen uns war es mehr so: Ihr kommt zuerst raus und wir warten zwei Wochen", erzählt Keith Richards.<BR>Nicht nur die vier aktuellen Mitglieder der Band selbst kommen in der Autobiografie zu Wort. Zu jedem der zwölf Kapitel findet sich ergänzend ein Essay, geschrieben von Wegbegleitern wie Ahmet Ertegun, dem Gründer von Atlantic Records, von Experten wie dem Musikprofessor Bob Bowman oder von Fans wie Sheryl Crow, die während der vergangenen zwei Tourneen im Vorprogramm der Rolling Stones auftrat. "Es wird viel darüber geredet, warum die Stones ... diese Art Unsterblichkeit erlangt haben. Für mich liegt der Grund in ihrer Authentizität", schreibt Crow.<BR></P><P>Im Anhang des mit einer Startauflage von 300 000 Exemplaren vom Ullstein Verlag in München herausgegebenen Buchs finden sich zudem eine Discografie sowie eine kurze Chronik zur Geschichte der Band. "According to the Rolling Stones - das Buch" kostet 49,50 Euro (ISBN 3-550-07573-1). </P>

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