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Helene Hegemanns Theater-AG: Die 19-jährige Autorin und Regisseurin (3. v. li.) zeigte die Produktion „Lyrics“ im Münchner i-camp.

Die Rückkehr der Plagiatoren

München - Helene Hegemann, die vor zwei Jahren mit "Axolotl Roadkill" erst für Aufsehen und dann wegen Plagiatsvorwürfen für Ärger gesorgt hatte, kommt mit „Lyrics“ ins Münchner i-camp.

Erst Guttenberg, jetzt Hegemann. Im gefühlten Frühwinter 2011 kehren die Plagiatoren zurück. Forsch talkt sich Karl-Theodor zu Guttenberg aus dem amerikanischen Exil wieder hinein ins öffentliche Bewusstsein. Und auch Helene Hegemann, die es in ihrem Debütroman „Axolotl Roadkill“ vor gut zwei Jahren mit der Urheberschaft nicht ganz so eng sah, traut sich wieder. Diesmal macht sie Theater mit ein paar Freunden. „Lyrics“ ist der Kurztitel ihres Stücks, mit dem sie beim Münchner Spielart-Festival den Mief nachpubertärer Postmoderne ins i-camp/Neues Theater München brachte.

Sie, Hegemann, mittendrin in diesem Hybrid aus Bühnenstück und Videoinstallation. Sich selbst inszeniert sie, selbstverständlich, als Regisseurin Twopence, die einen Film fernab jeden Bedeutungszwangs drehen will. Ein Spiel mit den Ebenen also, das eine Zeit lang mal schick war. Vor allem aber ein bemühter, nicht enden wollender Hieb mit der Selbstreflexions-Peitsche. Das wiederholt sich in den verschiedenen Szenen von „Lyrics“, deren Anstrengungen, sich selbst als Kunstprodukt zu unterlaufen, auf grandios tragische Weise aufgehen. Denn das auf der Bühne ist vieles, aber Kunst?

Künstlich in jedem Fall. Schon deshalb, weil das Spiel von Hegemanns Freunden an manchen Stellen wie Kindertheater wirkt, nur ohne die Eltern im Publikum, die trotzdem klatschen. Aber auch, weil das Konzept des Stücks als altkluges Anti-Theater so penetrant in den Vordergrund drängt. Wir hatten doch schon im „Axolotl“-Roman begriffen, dass die Hegemann aus einer Intellektuellenfamilie kommt – zur Sicherheit zeigt sie es uns noch mal. Selbst Anflüge von Leichtigkeit, etwa bei der irgendwie liebenswert-dilettantischen „Hamlet“-Szene, helfen da nichts. Gut, dass Mentor René Pollesch neben Hegemann auch Video-Künstlerin Kathrin Krottenthaler ins Boot holte. Ihre Installationen triefen stellenweise zwar auch vor einem tiefsinnigen Film-Noir-Weltverständnis. Aber sie sind technisch gut gemacht. Wirklich überragend: die Musik zwischen Pop, Folk und Elektro.

Bald will Helene Hegemann übrigens ihren „Axolotl“-Roman verfilmen. Sie selbst, wen wundert’s, übernimmt die Regie (wir berichteten). Mal sehen, wenn sie ihrem erwartbaren Verkopft-Kino ein bisschen gute Musik beimischt, könnte es erträglich werden.

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