Rückkehr der Stille

- Über der Wüste erklingt eine Opernarie, Windkraftwerke wachsen über den Horizont - in wenigen Sekunden gelingt es Werner Herzog, einen wieder in die einmalige Atmosphäre seines Kinos eintauchen zu lassen: Wahnsinn trifft Übermut, die Leidenschaft eines neugierigen Spielers vermischt sich mit kindlicher Poesie - man ist definitiv in einem Herzog-Film. Die Arie ist das Lied, das auch Fitzcarraldo hörte, als er sein Schiff über den Berg ziehen ließ, um mitten im Dschungel ein Opernhaus zu bauen. Der Kontrast zwischen wilder Natur und höchster Zivilisiertheit und das Streben von Tatmenschen, die sich dem ihnen scheinbar unerbittlich auferlegten Schicksal widersetzen, hat Werner Herzog schon immer fasziniert. Seit jeher ist der bayerische Sturkopf ein Regisseur gewesen, der aus der Haltung "Du hast keine Chance, aber nutze sie" immer neue Funken schlägt.

Zwei der drei deutschen Venedig-Beiträge erlebten nun in der Nebenreihe "orrizonti" ihre Premiere. Und bei allen Unterschieden ihrer Herangehens- und Erzählweise zeigen die Dokumentationen der Spielfilmregisseure Werner Herzog und Philip Gröning Gemeinsamkeiten. Während Herzog in dem facettenreichen Essay "The Wild Blue Yonder" von Astronauten erzählt, ihren Erfahrungen und von den Träumen der Menschheit, den Weltraum zu erobern, stellt Gröning mit "Die große Stille" eine Dokumentation vor, an der er sieben Jahre arbeitete und sechs Monate lang drehte. Sie handelt von den Kartäusermönchen, einem Orden, dessen Angehörige eine Gelübde ablegen, das sie zwar nicht zu absolutem Schweigen, aber zu größtmöglichem Verstummen verpflichtet.

Fast drei Stunden lang folgt der Film dem Leben in der Grande Chartreuse, dem 1000 Jahre alten, größten Kartäuserkloster der Welt in den französischen Alpen. Die Dreharbeiten, bei denen der Regisseur selbst im Kloster wohnte, wären eine eigene Dokumentation wert. Gröning interessiert sich für die Einzelheiten und spontanen Eindrücke des Klosterdaseins, nicht für Ordnung, sondern für das Chaos.

Das verbindet ihn mit Herzog, der Bilder von Astronauten mit Aufnahmen etwa der Galileo-Sonde verbindet, deren Fotos ferner Galaxien weniger an wissenschaftliche Forschung als an psychedelische Wahnbilder erinnern. Beide Filme sind vor allem Betrachtungen der Stille, Meditationen über das Wegdriften in Weltferne und ein Leben in Sehnsuchtslandschaften; auch über die Schwierigkeit, für die dazugehörenden inneren Vorgänge Bilder zu finden. Zwei deutsche Regisseure beschwören in Zeiten der Krise romantische Utopien, den Gedanken, dass unser Alltagsleben nicht das letzte Ziel des Seins ist, und damit Weltfluchtgedanken, die den Himmel über dem Kopf dem Boden unter den Füßen vorziehen. Denn Astronauten und Mönche haben nicht nur einen strenger Disziplin unterworfenen Tagesablauf gemeinsam, sondern auch ihr letztes Ziel, das

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