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Vater und Sohn Schier während der Elternzeit des Kollegen. Den „Wickelvolontär“ gibt es jetzt als Buch.

Die Rückkehr des „Wickelvolontärs“

München - Als „Wickelvolontär“ berichtete Politikredakteur Mike Schier Anfang des Jahres 2008 in täglichen Kolumnen über seine Elternzeit. Jetzt hat er aus den Texten sein erstes Buch gemacht.

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Vater zu werden ist einfach; Vater zu sein schon komplizierter: Mike Schier, damals Redakteur im Politikressort dieser Zeitung, wollte sich Anfang des Jahres 2008 zumindest für einige Monate ganz aufs Vatersein konzentrieren – und beantragte Elternzeit. Der heute 35-Jährige war der erste Mann an seinem Arbeitsplatz, der das Angebot der Bundesregierung nutzte und (bei 70 Prozent des Gehalts) für zwei Monate zuhause bei seinem Sohn blieb.

Was für Frauen seit jeher selbstverständlich ist, löste nicht nur bei Schiers Kollegen Erstaunen, Nachfragen, Diskussionen aus. So entstand die Idee zu den Kolumnen „Ich, ein Wickelvolontär?“, in denen sich der Journalist täglich in der Zeitung über die Herausforderungen, Freuden und Leiden eines Vollzeitvaters äußerte. Die Rubrik wurde rasch zu einer der beliebtesten im Blatt.

Elternzeit lässt ihn nicht los 

Es war nicht nur diese Tatsache, die dafür sorgte, dass seine Elternzeit Schier auch nach dem Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht losließ. Der Autor, der inzwischen Chef der Lokalredaktion München-Stadt ist, hat seine Kolumnen zu einem Buch ausgearbeitet, das jetzt im Berliner Ullstein-Verlag erschienen ist. Schier hat dabei nicht den Fehler gemacht, seine Zeitungstexte lediglich auf 256 Seiten aufzublasen. Nein, er hat die Kolumnen von damals als Basis genommen und darauf aufbauend neue Texte geschrieben. Eine Entscheidung, die seinem Buch (von dessen furchtbar kitschig und naiv anmutendem Cover sich der Leser nicht schrecken lassen sollte) guttut: Unterteilt in charmante, gut lesbare Kapitel berichtet Schier über die Zeit mit seinem Sohn.

Geschicktes Spiel mit Klischees

Natürlich spielt er hier immer wieder geschickt mit einigen bekannten Klischees, schrammt dabei jedoch nur wohltuend selten an der Kalauergrenze vorbei. Jenen Vater, den der Leser in „Der Wickelvolontär“ kennenlernt, ist eben kein Bier-Fußball-Füße-hoch-Typ, der leichter Vater wird als Vater ist. Und da der Autor mit einer Irin verheiratet ist, gerne reist und sich für Politik interessiert, nutzt er in seinen Texten jeden Augenblick, der zwischen Kindergeburtstag, Wickeltisch und Baby-Schwimmen bleibt, um über Länder, Menschen, Abenteuer und Absonderliches zu schreiben. Man folgt ihm gerne – eben auch, weil Schier eine der Tugenden des Journalismus (sich, bitte schön, verständlich auszudrücken) auch in seinem ersten Buch nicht vergessen hat.

„Bitte, lassen Sie ihn weiterschreiben!“, forderte Maria Müller im April 2008 in einem Brief an unsere Redaktion – eine Bitte, der sich damals viele Leser anschlossen. Das ging jedoch nicht, schließlich endet jede Elternzeit, jedes „Wickelvolontariat“, irgendwann, und Mike Schier musste zurück in die Redaktion. Jetzt hat er aber für herrlichen Nachschub gesorgt.

Michael Schleicher

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