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Egal wie groß die Entfernung zwischen Pascal Fligg und Lenja Schultze ist – zwischen ihren Figuren Kris Kelvin und Harey geschieht nichts.

Rückstandslos im Weltall verpufft

München - Bettina Bruinier inszenierte am Münchner Volkstheater „Solaris“ nach dem Science-Fiction-Klassiker von Stanislaw Lem. Lesen Sie hier die Premieren-Kritik:

Die Besetzung:

Regie: Bettina Bruinier.

Dramaturgie: Katja Friedrich.

Kostüme: Mareile Krettek.

Bühne: Markus Karner.

Musik: Robert Merdzo.

Darsteller: Pascal Fligg (Kelvin), Stefan Ruppe (Snaut),

Oliver Möller (Satorius),

Lenja Schultze (Harey),

Robin Sondermann (Gibarian, Berton, Harey, u.a.).

Doch, es gibt Ausnahmen an diesem Premierenabend im Münchner Volkstheater. Sie heißen: Robin Sondermann, Robert Merdzo und Markus Karner. Ihnen muss Regisseurin Bettina Bruinier danken. Denn diese drei sorgen dafür, dass Bruiniers Inszenierung „Solaris“ nach dem gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem nicht vollkommen ins Leere läuft, nicht rückstandslos verpufft.

Sollte es wirklich noch eines Beweises bedurft haben, dass es kaum sinnvoll und noch seltener erfolgreich ist, einen Roman für die Theaterbühne zu adaptieren, hat Bruinier ihn mit diesen 90 Minuten erbracht. Der polnische Autor Lem (1921-2006) hat in seinem 1961 erschienenen Science-Fiction-Klassiker „Solaris“ die „Grenzen der menschlichen Erkenntnis“ ebenso ausgeleuchtet, wie er anrührend von der „Tragödie zweier Menschen“ berichtet hat.

Die Handlung:

Der Planet Solaris wird fast komplett von einem offenbar intelligenten Ozean bedeckt. Um diesen zu erkunden, kommt Kris Kelvin auf die Forschungsstation. Plötzlich taucht seine Frau Harey auf, die sich vor Jahren auf der Erde umgebracht hat. Der Ozean hat aus Kelvins Unterbewusstsein diesen „Gast“ materialisiert.

Bruinier und ihre Dramaturgin Katja Friedrich haben nun diesen komplexen, manchmal ausufernd erzählten Stoff radikal benagt, in der Hoffnung, den Thriller-Kern um die Frage „Kann ich der eigenen Wahrnehmung trauen?“ freizulegen. Doch was geblieben ist, reicht nicht, um Lems Geschichte nochmals neu und mit den Mitteln des Theaters zu erzählen. So haben auch die jungen Darsteller des Volkstheaters kaum eine Möglichkeit, als den Text aufzusagen. Spannend, reizvoll oder berührend ist das nicht.

Pascal Fligg müht sich sichtlich, irgendeine Haltung zu seiner Figur, dem Psychologen Kelvin, einzunehmen. Zwischen ihm und Volkstheater-Neuzugang Lenja Schultze als Kelvins Frau, die auf der Erde von diesem in den Selbstmord getrieben wurde und ihm nun auf Solaris als „Gast“ erscheint, passiert rein gar nichts. Dieses angebliche Paar passt so wenig zueinander wie so vieles andere in Bruiniers Inszenierung.

Davon ausgenommen: Markus Karner hat ein so intelligentes wie karges Bühnenbild gebaut aus Holzrahmen, die in die Tiefe des Raumes gestaffelt immer kleiner werden und so eine gute Ahnung davon vermitteln, wie eng, menschenfeindlich und isoliert eine Raumstation ist. In der Bühnenmitte sitzt Robert Merdzo und zaubert ein eindrucksvolles Live-Hörspiel aus seinem Mischpult: Da brandet gefährlich der Ozean, da fiept die Klimaanlage, flüstern Lüftungsrohre, zünden Raketen. Und Robin Sondermann, der den toten Forscher Gibarian spielt, bannt trotz der wenigen Sätze, die er hat. Ihm gehört der Auftakt dieses Abends – und der ist wirklich gelungen. Nach 90 Minuten aber: endenwollender Applaus.

Michael Schleicher

Nächste Vorstellungen am 30. November sowie 5., 9., 18. und 28. Dezember; Telefon 089/ 523 46 55.

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