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Ulrike Arnold als Ratgebende in Sachen Umgang mit dem Chef und der Gehaltserhöhung.

So rückt keiner Geld raus

München - Perecs Monolog „Über die Kunst, seinen Chef anzusprechen...“ hatte am Metropol Premiere - die Kritik:

Das Metropol im Glück. Unser Lieblings-Privattheater, vor Kurzem genial aus- und umgebaut, meldet volles Haus bei allem, was es tut. Es macht unter seinem Chef Jochen Schölch Dinge, die man anderswo mit diesem Pfiff nicht sieht. Daher sucht und findet das Publikum klaglos den winkeligen Weg in Münchens Norden. Suchen und finden muss Schölch aber nun für den runden Anbau, das „Café Metropol“, in dem man an Tischen sitzt – ein Glas Wein vor sich – intime Spielformen und gute Texte, die den Raum zu einer willkommenen Alternative zum großen Haus machen.

Diesmal verfiel er auf George Perec, den 1936 als Sohn polnischer Juden in Frankreich geborenen Autor. Der wird in Frankreich sehr viel höher gehandelt als bei uns, bekam für seine sprachverrückten und wörterverliebten Romane viele Preise und brachte sich unter anderem mit einem Roman ganz ohne den Buchstaben „e“ ins Gespräch. Schölch griff zu dem Monolog „Über die Kunst, seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten“: ein Perpetuum mobile des Scheiterns, immer unter der Prämisse, hier wolle ein Referent ratsuchenden Angestellten sachlich auf die Sprünge helfen. Dem Chaos des Alltags sucht er mit seinem Ordnungstrieb zu begegnen, erfindet Regeln, immer neue Wenn-Danns und gerät doch heillos in den Sog der Vergeblichkeit.

Im Metropol übernimmt die Schauspielerin Ulrike Arnold diese Rolle, führt an einer Tafel akribisch die einzelnen Schritte vor: Klopfen. Wenn Chef nicht da ist oder nicht hören will, zum Zimmer der Sekretärin und so weiter und so weiter – zuerst wohl selber noch im Glauben, es könne zu etwas führen. Dass dies nicht so ist, weiß der Zuschauer von der ersten Sekunde an. Wie aber kommt er dann über eine ganze Stunde des immer gleichen Textes? Nur, wenn der Vortragende sich in eine Raserei der Vergeblichkeit katapultiert, die an den Wahnsinn grenzt, der dem hochneurotischen Autor selber nicht fremd war. Sonst kann der Text nicht über bloße und auch heute nachvollziehbare Nöte der Angestellten aller Länder hinauskommen.

Doch diese extreme Person ist nicht unbedingt die Sache von Arnold, und Schölch hat sie nicht gerade herausgekitzelt. Sie bleibt harmlos, hat sprachlich nicht die Rasanz, die dieser artifizielle Text erfordert. Ein Teil des Publikums war’s zufrieden, applaudierte, trampelte gar, als hätte er soeben einer Performance von Rudolf Nurejew und Maria Callas beigewohnt. Das war jedoch nicht der Fall.

Beate Kayser

Weitere Vorstellungen

am 7. April und sechsmal bis zum 31. Mai; 089/32 19 55 33.

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