Franz Bunke: „Ansicht von Schwaan“ (undatiert). Fotos: Museum

Ruhe und Beschaulichkeit

Dachau - Die Gemäldegalerie Dachau präsentiert die Sonderschau „Schwaan – Eine Künstlerkolonie in Mecklenburg“.

Da bekommt man richtig Lust, Urlaub zu machen. Ein paar Blicke, ein paar Bilder – und klar zeigt’s sich: Schwaan ist eine Reise wert. Jedenfalls für Menschen, die Ruhe und Beschaulichkeit suchen. Die mochten viele Künstler schon vor gut hundert Jahren. Sie verlustierten sich nicht nur in Worpswede oder Murnau, sondern auch in Dachau und eben in Schwaan, einem Städtchen in der Nachbarschaft zu Rostock. Die Gemäldegalerie Dachau führt mit ihrer Sonderausstellung „Schwaan – Eine Künstlerkolonie in Mecklenburg“ ihre Reihe über derartige Ästhetik-Exkursionen aufs Land fort.

Das Besondere an dieser Gruppe, die vom örtlichen Hotelier unterstützt wurde und tüchtig zu feiern verstand, ist, dass der harte Kern aus Einheimischen bestand. Franz Bunke, Rudolf Bartels und Peter Paul Draewing waren gebürtige Schwaaner, waren künstlerisch in die Welt geschwärmt, fühlten sich aber in der alten Heimat wohl: Ruhe und Beschaulichkeit eben. In Weimar war man an der Malerschule zu tüchtigen Landschaftern ausgebildet worden, Bunke (1857 bis 1939) widmete sich gern der Freilichtmalerei und lehrte sie später sogar. Er wurde zum Herz der kleinen Kolonie, zu deren intimstem Kreis der Hamburger Alfred Heinsohn stieß. Vor allem Bunke, Bartels und ihm widmet sich die Schau – mit ein paar Seitenblicken auf Kollegen.

Bunkes Gemälde suchen den Inbegriff von Stille. Das Land liegt in Ruhe, in mildem Licht, die Farben sind pastellartig gedämpft. Der Künstler hält sich an einen impressionistisch angehauchten Realismus. Beim stimmungsvollen „Jüdischen Friedhof“ wird deutlich, dass Bunke genauso seine Romantiker kannte. Nur als der Wind über den Fluss Warnow saust, ließ auch der Künstler Pinsel und Farbe lossausen.

Am Weitesten ging Heinsohn (1875 bis 1927). Er probierte es mit wilden Farbgespinsten oder sehr reduzierten Linien, schien allerdings von keinem Ansatz so richtig überzeugt zu sein. Auch bei ihm ein herbstlicher Friedhof – in der Sonne gelb aufleuchtend. Einen Gottesacker entdeckt der Besucher gleichfalls bei Bartels (1872 bis 1943). Hier rieseln die Frühlingsblüten und zerpflücken alles Feste, Starre. Leuchtende Farben, breite Pinselstöße und kräftige Tupfen bauen Bilder und lösen sie gleichzeitig auf; ähnlich wie wir das von Klimt-Landschaften oder dem frühen Kandinsky kennen. Der Jugendstil mischt mit. Bartels hat das interessanteste Potenzial der Kolonie. Er bezaubert mit seinen Jahreszeitenbildern wie mit Kindermotiven: Mal gehen die Kleinen mit ihren bunten Laternen, mal sinnt ein Mädchen ihrer Seifenblase hinterher. Hier wird das Ruhige zum Ganz-bei-sich-Sein des Menschen; obendrein malerisch delikat umgesetzt.

Genauso wirkt das Bild „Jüdischer Friedhof in Schwerin“ von Erich Venzmer (1893 bis 1975). Die dottrige Wintersonne wärmt die Grabsteine, die wie eine fast geschlossene Wand vor dem Betrachter stehen. Nimmt man dann die Entstehungszeit 1942/43 wahr, weiß man: Da stemmt sich ein Künstler ganz und gar nicht beschaulich gegen das Gebrüll des Mordens.

Simone Dattenberger

Bis 7. April 2013,

Di.-Fr. 11-17 Uhr, Sa./So. 13-17 Uhr; Konrad-Adenauer-Str. 3, Tel. 08131/56 750; Katalog: 18 Euro

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