Ruhiges im Halbdunkel

- Warum gerade Finnland? Diese Frage muss sie sich schon gefallen lassen. Denn eine Hommage an das Land im hohen Norden war es, die Meret Becker bei ihrem Programm im Prinzregententheater versprochen hatte. Dort gewesen ist sie noch nicht. Aber Finnland, das ist für Becker in erster Linie ein Lebensgefühl. Dass das eher ruhig und melancholisch ausfällt verwundert nicht, bei einem Land, wo es je nach Jahreszeit gar nicht mehr dunkel bzw. gar nicht mehr hell wird.

So bleibt auch die Bühne oft in mystisches Halbdunkel getaucht. Nur ab und zu bahnen sich verirrte Sternschnuppen und Nordlichter ihren Weg über die Wände. Und wenn sie da so sitzen, zwischen skurrilen Instrumenten, Koffern und Hochprozentigem, dann sehen Meret Becker und ihre Mitstreiter Buddy Sacher und Peter Wilmanns tatsächlich ein wenig aus, als wären sie gerade einem Film von Aki Kaurismäki entstiegen.

Aber das war es auch fast schon wieder mit Finnland. Denn was die musikalische Seite des Abends betrifft, gönnen sich die drei zahlreiche Ausflüge in andere Regionen. Vom rührseligen dänischen Kinderlied bis zum schmissigen "Sayonara Tokio". Und wenn Meret Becker ihre kunstvoll zum Klingen gebrachte singende Säge später gegen eine Gitarre tauscht, gesellt sich sogar ein einsamer Cowboy ans Lagerfeuer. Auch ein finnischer Tango darf nicht fehlen, selbst wenn er hier nur einsamer Farbtupfer bleibt. Doch am besten aufgehoben scheint Meret Becker immer noch bei französischen Chansons, die sie im züchtig hochgeschlossenen weißen Kleid gekonnt unzüchtig ins Mikro hauchte.

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