Runde Formen machen nicht so viel Angst

- Sie haben hier in der Stadt den Wettbewerb für die ADAC-Hauptverwaltung an der Hansastraße beim S-Bahnhof Heimeranplatz 2004 gewonnen, aber naturgemäß sind die Münchner viel neugieriger auf das Wachsen des Gebäudes für die Sammlung Brandhorst. Die Ausstellung "1 2 3 4 die architektur von sauerbruch hutton" in der Pinakothek der Moderne widmet sich allerdings nicht nur dem Museum. Dass Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch mehr im Sinn haben als den Einzelbau, macht letzterer schnell klar.

Wie hält man die Balance, seine eigene Architektur in ein Umfeld einzufügen und doch ein profiliertes Werk zu schaffen?

Matthias Sauerbruch: Wir versuchen, die positiven Qualitäten eines Ortes zu entdecken. Beim ADAC-Bau dachten wir: Da sind Hopfen und Malz verloren - so eine verlassene Gegend! Dann wurde uns die Zweireihigkeit deutlich. Da die Eisenbahn mit ihrem Graben, dort die Straße mit Wohnquartier. Unsere Gebäude sollen das Positive der Gegend herausheben. Wir analysieren die Umgebung durch mehrfache Begehung, Fotodokumentation, Videos - und auch Kartenstudium, um einen "abstrakteren" Blick zu bekommen.

Ihre Häuser und Entwürfe sind mal organisch gerundet, mal rechtwinkelig korrekt.

Sauerbruch: Das liegt eben auch an der Lage und der Rolle im städtebaulichen Kontext oder daran, ob ein Bau Front und Rückseite hat. Beispiel Umweltbundesamt. Das ist ein sehr großes Gebäude. Wenn man es axial anlegt, wirkt es so mächtig, dass man als Einzelner gar nix mehr ist. Das wollen wir vermeiden. Die runden Formen bieten eine Vorstellung von Körperlichkeit - die macht nicht so viel Angst. In einer anderen Situation würde das nicht gleichermaßen funktionieren; wir wollen nicht mit Gewalt alles organisch bauen. Entscheidend ist die Mischung aus Funktion im Innern und dem Auftritt in der Stadt.

In der Ausstellung sieht man jetzt schon konkret die Farbgestaltung des Brandhorst-Museums.

Sauerbruch: Das ist ein langwieriger Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Höchstens zu 85 Prozent. Wir entwickeln die Farben selbst und in Zusammenarbeit mit der Keramikfirma. Das Ergebnis ist toll. Im Wettbewerbsentwurf hatten wir noch mit Glasscheiben geplant, die Auflagen zum Lärmschutz brachte uns zu den Keramik-Stäben. Beurteilen kann man ihre Farben nur, wenn sie gebrannt sind. Durch das Material kommen die Farben ganz anders heraus als etwa bei einem Anstrich. Einige "echte" Stäbe werden nun gezeigt.

Das Gespräch führte Simone Dattenberger

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