Rundumschlag

- Es geht ums Ganze: von "Business" über "Gott", "Krieg", "Natur", "Sperma" bis "Wahnsinn" - so die hier wenigstens alphabetisch sortierten Stichworte der Gebrauchsanweisung, die dem Publikum im Münchner i-camp vorsorglich ausgehändigt wird. Aber eigentlich geht es bei George Froschers und Kurt Bildsteins Freiem Theater München immer ums große Ganze, das Globale schlechthin, einen allumfassenden Blick auf den "weltweit fortschreitenden Suizid" zum Beispiel.

<P> Und deshalb unterscheiden sich ihre Produktionen auch seit längerem nicht mehr voneinander. Immer spielen mobile Trennwände, aufrüttelnde Videos, komplexe Texte einschüchternder Autoren und eine eiserne Truppe muskulöser Schauspieler mit, die eher Text skandieren, wenn nicht ausspucken, statt Theater zu spielen. <BR><BR>So auch beim neuesten welt- und wirklichkeitskritischen Rundumschlag "Count Down - Come on boy, you know, life isn't like that", der soundsovielten Nummernrevue solo oder im Ensemble vorgebrachter Gedankenbrocken. Zentral ist, so viel wird spätestens bei Clausewitz' Passagen klar, das Thema Krieg und alles, was sich damit gut verbinden lässt: von "künstlichen Befruchtungsfabriken, um Armeen und Kriegsschiffe zu produzieren" ist die Rede, von der abendländischen Vereinnahmung Gottes, der "Verteidigung des Friedens", uneinsichtigen Terroristen und dem Friedensnobelpreis. </P><P>Ein politisches Sündenregister seines jüngsten Trägers Jimmy Carter lässt gar den Wunsch entstehen, mehr davon zu erfahren, zu lesen vielleicht. Auf die Bühne gestemmt aber, erdrücken diese Themen mit ihrer kopflastigen Wucht jedes zart versuchte Theaterspiel. Trotz des beachtlichen Körpereinsatzes der streng choreographierten, sich zu Boden werfenden, konvulsivisch aufbäumenden oder fast hyperventilierenden Schauspieler bleibt der Eindruck: Der langatmige Vortrag war im Theater fehl am Platz. </P><P>Bis 24. Mai. Telefon 089/65 00 00.</P>

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