Russ muss draußen bleiben

- Richard Wagners Lieblingshund war ein schwarzer Neufundländer namens "Russ". Derzeit ist dieser allgegenwärtig in Bayreuth. Denn der Frankfurter Künstler Ottmar Hörl hat den Vierbeiner in 800 Plastikexemplaren über die Innenstadt verteilt und zum Liebling der Besucher wie der Einheimischen gemacht. Doch seit Montag ist ausgerechnet der Grüne Hügel Sperrbezirk für die "Russ"-Hunde.

<P>Kurz vor der Aufführung des "Fliegenden Holländers" bot sich Betrachtern am Fuße des Grünen Hügels ein groteskes Bild: Hörl stand ratlos in einem riesigen Rudel Plastikhunde. Die musste er auf Geheiß des örtlichen Kulturreferenten Carsten Hillgruber binnen kurzer Frist abräumen. Viele der Wagner-Pilger reagierten empört: "Die spinnen doch, die Bayreuther!"</P><P>Oberbürgermeister Dieter Mronz (SPD) teilte inzwischen mit, "dass der Umgriff des Festspielhauses von Kunstaktionen, Kundgebungen, Demonstrationen und anderen öffentlichen Nutzungswünschen freigehalten wird". Hörl kann sich am Tag nach der Sperrbezirksverfügung noch nicht beruhigen: "Ich trage und finanziere die Aktion allein. Die Stadt sollte sich freuen, wenn bei den Festspielen kulturell etwas los ist." Der 54-jährige Kunstprofessor hat nach eigenen Angaben rund 200 000 Euro in das Projekt "Richard Wagner im 21. Jahrhundert" investiert.</P><P>Hörl ließ sich das Projekt, zu dem auch Kleinwagen mit Wagner-Musik gehören, zwar von der in Bayreuth fast allmächtigen Festspielleitung absegnen. Doch von der Stadt selbst hat der Künstler, wie er sagt, keinerlei Unterstützung bekommen. Umso positiver ist nach seinen Worten die Bilanz der Aktion: Die "Russ"-Hunde finden in verschiedenen Größen und Farben reißenden Absatz. Und in Bayreuth werden die neben Sitzbänken kaum gesicherten Plastiktiere munter geklaut, was auch auf eine gewisse Popularität schließen lässt.</P><P>Hörl wurde von Hillgruber am Freitag aufgefordert, die Hunde aus der "Bannmeile" unterhalb des Festspielhauses zu räumen, war dem aber nicht nachgekommen, weil er keine plausible Begründung bekam, wie er sagte. Wolfgang Wagner ließ Hörl gegenüber dementieren, das Ansinnen Hillgrubers sei von seinem Haus ausgegangen. Nachdem am Montag das Ordnungsamt Druck machte, gab der Künstler nach, um keine strafrechtliche Auseinandersetzung zu provozieren. Hörl hat bereits mit Berlin-Bären und Dürer-Hasen für Aufsehen gesorgt, den Münchner Max-Joseph-Platz hatte er vor einigen Jahren im Rahmen der Opernfestspiele mit Gartenzwergen bestückt.</P>

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