Sänger-Glanz mit Humor

- Dass im weiten Opern-Becken viel mehr herumschwimmt, als an der Angel der Repertoirebühnen hängen bleibt, weiß jeder Liebhaber des Genres. Nach manchem, was dort seit Jahren und Jahrzehnten im Trüben herumdümpelt, fischte gern und oft mit Erfolg das Münchner Gärtnerplatztheater. Konzertante Präsentationen von Tschaikowsky- oder Dvorak-Opern wurden unter David Stahls temperamentvollem Zugriff zu Ereignissen. Ob allerdings Hugo Wolfs "Corregidor" ein gleiches Glück widerfahren wird, darf bezweifelt werden.

<P>Nachdem die ursprünglich vorgesehene Premiere mangels Interesse abgeblasen wurde, versammelten sich nun am Freitagabend die Neugierigen im Herkulessaal (der nicht voll besetzt war), um zu hören, was dem renommierten Liedkomponisten Wolf als nach-wagnersche Oper zur Jahrhundertwende (1896) vorschwebte. Trotz leitmotivischen Anstrengungen, ein bisschen spanischer Würze und etwas "Meistersingerei" scheint der Komponist vom großen dramatischen Atem nicht beflügelt. </P><P>Er rettet sich und seine durchaus liebenswerte Kleinteiligkeit in eine pseudo-dramatische Aufgeregtheit, die sich immer wieder instrumental mächtig aufplustert. Das wirkt ebenso unfreiwillig komisch wie das oft mühsam gereimte Libretto der Wiener Journalistin Rosa Mayreder-Obermayer. Da hatte das Publikum manches zu lachen, obwohl doch Wolf, der zunächst ein "komisches Operl" schreiben wollte, dieses Adjektiv seinem "Corregidor" nicht mehr zugestand: Er sei zu tragisch. Nun denn. </P><P>Obwohl Dirigent und Orchester sich zum Beweis dessen mächtig ins Zeug legten, überwog das Amüsement, war man zuweilen geneigt, das Ganze für Ironie zu halten. Zumal die Sänger sich einen Anflug davon nicht zu verkneifen schienen. Denn auch ihnen taugte die zwischen der spanischen "Dreispitz"-Novelle Alarcons und Shakespeares/Verdis "Falstaff" changierende Eifersuchts-Intrige mehr zur Komödie als zur Tragödie.</P><P>Hugo Wolfs Oper ist<BR>unfreiwillig komisch</P><P>Allen voran genoss Alexandra Petersamer mit leuchtendem, verführerisch-samtenem Mezzo-Gurren ihre Partie als umschwärmte Müllersgattin Frasquita. Und fragte  kokett: "Weck ich ihn nun auf?" so wie es "In dem Schatten meiner Locken" aus Wolfs "Spanischem Liederbuch" steht, das der Komponist hier, dezent instrumentiert, einsetzte. Als ihr Ehemann Tio Lukas stach Gary L. Martin mit markigem Bariton Nebenbuhler und Interessenten aus. </P><P>Als da waren: der eitel-werbende Corregidor, dem Wolfgang Schwaninger mit heldischen Tönen ausstaffierte, der wichtig orgelnde Diener Repela des Peter Loehle oder der stimmgewaltige Alkalde von Christoph Stephinger. Prägnant besetzt präsentierten sich auch die Nebenrollen mit Florian Simson als Nachbar, Michael Gann als Pedro, Holger Ohlmann als Tonuelo, Pawel Czekala als Nachtwächter und die Damen Elaine Ortiz-Arandes als souveräne Corregidors-Gattin vor der Duenna Snejinka Avramovas und der Manuela Barbara Schmidt-Gadens. Das mit Humor gewappnete Publikum feierte alle mit heftigem Applaus. <BR></P>

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