Saison-Ereignis

- Das Münchner Nationaltheater war ausverkauft. Und jede Eintrittskarte hatte sich hundertprozentig gelohnt: Crankos "Onegin" mit den neuen Solisten Lucia Lacarra und Cyril Pierre - ein Traum-Debüt. Der Funke sprang über auf Lukas Slavicky und Barbora Kohoutkova (Lenski/ Olga), auf das ganze Staatsballett, auf Vollblutdirigent Myron Romanul sowieso, der das Staatsorchester wieder temperamentvoll (auch mal eine Spur zu laut) antrieb. Kurzum: ein Saison-Ereignis.

<P></P><P>Dabei war es nur ein Repertoire-Abend. Aber einer, in dem das neue Paar seinen Elite-Ruf bestätigt, seinen Platz und Rang im neuen Ensemble erobert hat. Gleich im Gartenbild weiß man: Sie sind es, Tatjana und Onegin. Sie verschlossen, zart - aber nicht ohne Willen. Er ein gedankenloser charismatischer Lebemann, interessiert jetzt, und im nächsten Augenblick hat er die schüchterne junge Frau schon vergessen. In dieser Nicht-Beziehung bauen sie wunderbar schon Spannung auf, steigern sie über die Traumszene (wirkte im Tempo etwas schleppend) und Onegins provokativen "tödlichen" Flirt mit Olga - die Geburtstagsparty wird durch Pierre ganz schön aufgeheizt - bis zum dramatisch-leidenschaftlichen Schluss-Pas-de-deux. Diesem Onegin glaubt man die Wandlung und Lacarras Tatjana den übermenschlichen Kampf gegen die immer noch flammende Liebe. Und das Schwerste: den Schluss. Diesen letzten stummen Aufschrei, der nur Schmerz ist.</P><P>Getanzt haben die beiden grandios. Und wunderschön Lacarras ehelicher Pas de deux mit Gremin Peter Jolesch. In der Duell-Szene, in der (Profil-)Konfrontation mit Onegin, verschwindet die zierliche Solistin ein wenig in ihrem russisch weiten Gewand und Kopftuch. Ein bisschen mehr zum Publikum gewendet, wenn die Choreographie es erlaubt, wäre günstiger. Und Pierre wird sicher noch etwas an seiner ersten langen, ja sehr vertrackten Adagio-Solovariation feilen.</P><P>Lukas Slavicky (Lenski) hat sich über seine blendende Technik zu einem intelligenten, zu einem schönen Tänzer entwickelt. Seine Offenheit, Klarheit gibt Barbora Kohoutkovas zurückhaltender Anmut den richtigen Rahmen. Mehr solche Abende, und das Staatsballett-Glück ist perfekt.</P>

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