Salzburg feiert Münchner Regisseur

Salzburg - Mit einem futuristischen Bilderbogen überschüttete der Münchner Regisseur Philipp Stölzl das Salzburger Premieren-Publikum am Freitagabend bei der Neuinszenierung von Hector Berlioz Oper "Benvenuto Cellini".

Diese Liebesgeschichte des italienischen Bildhauers und Renaissance-Lebemanns Cellini um Teresa, die Tochter des päpstlichen Schatzmeisters, versetzte Stölzl in eine futuristische Rom-Kulisse wie in einem Großleinwandfilm. Hubschrauber überfliegen die Stadt, Reklametafeln blinken, Scheinwerfer durchschneiden den Nachthimmel. Mit einem raffinierten Laterna- Magica-Effekt kommt der Helikopter aus der Filmprojektion real auf die Bühne, und Cellini wirft seiner Geliebten Rosen zu.

Die Bilderflut riss nicht ab. Immer wieder setzte Stölzl, der bereits Musikvideos für Madonna und Mick Jagger gemacht hat, spektakuläre Szenen in monumentale Bilder um. Dabei gelangen ihm die Massenszenen am eindruckvollsten, wenn das römische Volk in Masken aus der Comic-Welt ausgelassen Karneval feiert, ein übergroßer Fisch mit Kulleraugen auf der Bühne sein Maul für eine Theaterposse öffnet oder der Papst mit einem bonbonfarbenen Kleinwagen mit goldener Kreuz-Standarte als jovialer Lebemann einen grotesken Auftritt hat.

Zu diesem Bilderreigen dirigierte Valery Gergiev Berlioz Musik in der Urfassung von 1838 zu effektorientiert. Zeitweise konnte der Eindruck entstehen, er wolle musikalisch mit der überbordenden Bilderflut auf der Bühne konkurrieren. Seine Interpretation dieser selten aufgeführten Oper mit den Wiener Philharmonikern erschien phasenweise vordergründig. Den besonderen Klang von Berlioz (1803- 1869), wie ihn etwa Collin Davis meisterhaft beherrscht, fand Gergiev nicht. Beim Schlussapplaus gab es für ihn einige Buh-Rufe.

Bemerkenswert war die Solistenleistungen von Maiya Kovalevska als "Teresa" und Kate Aldrich als Cellinis Lehrling "Ascanio". Beide Sopranistinnen sangen mit makelloser Stimme und zeigten dabei auch noch hohes schauspielerisches Talent. Dagegen fiel der für Neil Shicoff eingesprungene Burkhard Fritz als "Cellini" mit seinem eher dünnen Tenor deutlich ab. Das kam Laurent Naouri als Cellinis Gegenspieler "Fieramosca" zugute, der als zweiter Tenor eine gute Partie bestritt.

Am Ende wandelte sich die eigentlich komische Oper in einem imposanten Schlussbild zu einem Arbeiterdrama: Im römisches Kolosseum gelingt es Cellini, die geforderte goldene Statue für den Papst zu gießen, dafür wird er als Mörder begnadigt und erhält Teresa zur Frau. Die vorher streikenden Arbeiter, beeindruckend der Wiener Staatsopernchor, preisen ihren Meister und den Sieg. Das Publikum feierte Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl mit langem Beifall und lautstarken Bravo-Rufen.

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