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„Ich bin nicht hier, um zu missionieren, sondern um den Tod zu spielen“: Ben Becker ist in diesem Jahr erstmals im „Jedermann“ zu erleben.

Salzburger Festspiele 2009: Missionen und Machtspiele

Salzburg - Mit dem „Jedermann“ fing alles an bei den Salzburger Festspielen. Und Neubesetzungen überstrahlen gern das riesige Opern-Schauspiel-Konzert-Angebot, das heuer unter dem Motto „Das Spiel der Mächtigen“ steht. Frischling im „Jedermann“ ist in diesem Jahr Ben Becker als Tod.

Immerhin: Papa ruft jeden Tag an und erkundigt sich, wie es so läuft. „Das kam lange nicht mehr vor.“ Ben Becker ringt sich ein Grinsen ab. Aber Papa hat ja auch ein gesteigertes Interesse am PR-wirksamen und endlich einmal berufsbedingten Wirbel, den der Sohnemann entfacht. Papa, das ist Otto Sander, und der spielte in den Jahren 1988 sowie 2000 und 2001 den Tod. Heuer holt Ben Becker den Jedermann in die ewigen Jagdgründe. Und scheint, das zeigt er jedenfalls nach außen, nicht sonderlich von Ehrfurcht erfüllt.

Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ ist noch immer, mögen heuer die Oper auch mit einem neuen Mozart oder das Schauspiel mit ambitionierten Musik-Theater-Mixturen locken, ein zentrales Ereignis der Festspiele. „Es war in erster Linie heiß auf dem Domplatz“, bilanziert Ben Becker die ersten Proben. „Erstaunlich viel Spaß“ hätten die gemacht, wobei man „aufpassen muss, dass man da irgendwie vorkommt“.

Becker spielt damit auf die respektable Menschenmenge an, die vor allem dank Regisseur Christian Stückl über die Bühne vor dem Dom gehetzt wird. Von einem Oberammergauer, „dessen Anweisung ich nicht immer verstehe“. Vielleicht hat Ben Becker aber auch im Hinterkopf, wer alles schon als Tod in Salzburg besetzt war. Will Quadflieg, Rolf Boysen und Martin Benrath zum Beispiel, Michael Degen und der jetzige Jedermann Peter Simonischek, Jens Harzer als Premieren-Besetzung von Stückls Inszenierung, aber auch „Tatort“-Kommissarin Ulrike Folkerts.

Noch scheint der 45-Jährige aber nicht angekommen im Festspiel-Mekka. Während seiner Vorstellung auf der Terrasse des Pressebüros schweift der Blick über Dächer und Kirchtürme. Nach wenigen Minuten ist bereits die zweite Zigarette dran, die Hand mit dem schweren Silberring stützt den Kopf – eine etwas müde Denkerpose. Nur einmal verschwindet der abwesende bis genervte Blick: als auf der Treppe Dirigent Ingo Metzmacher mit Kind und winkend vorbeigeht.

Zur derzeitigen Karriere-Situation von Ben Becker passt der Salzburger Einsatz ideal. Denn bald will er wieder mit der „Bibel“, seiner „gesprochenen Symphonie“ Hallen füllen. Ist da also ein moderner, unkonventioneller Prophet unterwegs? Vor allem: Wie hält’s Ben Becker mit der Religion? „Ich habe das so dermaßen durchgekaut und hinter mir“, wehrt er ab. „Das ist derart privat, da kann man sich nur in die Nesseln setzen. Ich bin nicht hier, um jemanden zu missionieren, sondern um den Tod zu spielen. Auch wenn ich die Bibel lese, missioniere ich nicht.“

Dass der „Jedermann“ von vielen kritisiert wird als Erbaulichkeitstheater, vielleicht sogar als Ritual oder Ersatzgottesdienst, ist Becker bewusst. „Handfest gestrickt“ sei das Stück, „nicht kaputtzukriegen“. Aber eben auch ein „Märchen“, das ihm persönlich nahegehe. „Man müsste unsensibel sein, wenn einem so etwas nicht widerfährt.“

Nicht nur wegen der PR-Aktionen um Ben Becker als Sensenmann senkt sich derzeit Endzeitstimmung über den „Jedermann“. Peter Simonischek ist heuer zum letzten Mal in der Titelrolle dabei, ebenso Sophie von Kessel als Buhlschaft. Sie werden im nächsten Jahr abgelöst durch Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr. Zudem will Sven Eric Bechtolf, ab 2011 Salzburger Schauspielchef, eine Neuinszenierung des Stücks. Von wem, vielleicht sogar von ihm selbst, das ist noch unbekannt.

Doch zunächst einmal muss sich Ben Becker in Stückls Regie zurechtfinden – vor allem im Kostüm von Marlene Poley, die dem Schauspieler nur wenige bis gar keine Kleidungsstücke gestattet. „Ich habe keine Haare mehr, nirgends“, sagt Becker und lacht dreckig. Und seine kleine Tochter wurde bereits schonend vorbereitet. „Damit die ihren Papa überhaupt wiedererkennt.“

Von Markus Thiel

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