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Mit ihrer Version von Clavigo blamieren sich der Regisseur und sein Team bei den Salzbuger Festspielen.

Salzburger Festspiele 

"Clavigo"-Version: Deutsches Theater blamiert

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Salzburg - Regisseur Kimmig und sein Team blamieren mit ihrer "Clavigo"-Version das Deutsche Theater Berlin in Salzburg.

Jetzt ist bei der ersten Salzburger Schauspielpremiere der diesjährigen Festspiele der Fall eingetreten, den jeder Intendant fürchtet. Und wer für Festivals verantwortlich ist, den wird jener Fall noch mehr zur Verzweiflung bringen. Dieses Bühnen-Unglück hat Sven-Eric Bechtolf ereilt: in Form der „Clavigo“-Inszenierung  von Stephan Kimmig. Das seltsame Potpourri, angerührt aus Assoziationszutaten rund um Johann Wolfgang Goethes Jugend-Drama um einen knallharten und zugleich weichherzigen Aufsteiger, hatte am Montag im Landestheater Premiere.

Der Zweistünder ist eine Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin, das sich damit im theaternarrischen Süden und vor regionalen wie überregionalen Besuchern und Journalisten fast schon bemitleidenswert blamiert hat. Oder sollten die Piefke, wie die Österreicher spitz sagten, so arrogant sein, ihnen solch Pillepalle als letzten Theaterschrei verkaufen zu wollen? Salzburg mag in manchem Provinz sein, die Festspiele sind es nicht. Es war daher ein verständlicher, aber trauriger Fehler, dass Bechtolf, der Verantwortliche, das unfertige Projekt abgenommen hat. Er hätte alles Recht gehabt, diesen aufgeblähten „Clavigo“-Bovist platzen zu lassen.

Kimmig ist den Bayern in sehr guter Erinnerung, zuletzt mit seiner „Liliom“-Arbeit für die Münchner Kammerspiele. So war die Hoffnung begründet, einen nachdenkenswerten „Clavigo“ erleben zu dürfen – obwohl die Geschlechterumkehr einen schon stutzig machte. Was sollte eine Frau Clavigo, die ihren Geliebten Marie aus Karrieregründen abserviert, anderes bringen, wie wenn das Herr Clavigo an Fräulein Marie verbricht?

Dass man sich keinesfalls an den Dramentext (siehe Handlungskasten) halten wollte, dafür an alle greifbaren Assoziationen zum 24 Jahre jungen, wilden Goethe, postulierte gleich der erste Auftritt der auf Clavigo, Carlos, Marie, Beaumarchais und Marie-Verehrer Buenco zusammengeschnurrten Personnage als rot-benaste, lustig ausstaffierte Clownsgruppe (Kostüme: Johanna Pfau). Dass sie nicht zu wissen scheint, was sie hier soll, war ein Omen, das sich im Folgenden bitter erfüllte. Und auch die schlabbrig blubbernde Zirkuszelt-Plane, die sich später in einen nie abhebenden Fesselballon verwandelte (Bühne: Eva-Maria Bauer), war ein aussagekräftiges Sinnbild für die Inszenierung. Dann versuchte man sich an einer Art Schwitter’scher Ursonate, bevor die gwamperte Dame Clavigo tönte: „Das Werk wird eine große Wirkung tun.“ Falls all dies zu einem abgefahrenen Goethe-Klamauk werden sollte – schließlich entdeckte das Team seine hundsordinären Hanswurstiaden in der Gesamtausgabe neben „Clavigo“ –, dann ist der auch gefloppt.

Langeweile, ja Apathie legten sich über die Salzburger Zuschauer. Da halfen die musikalischen Aperçus von Pollyester und die Videos von Julian Krubasik sowie Lambert  Strehlke nichts. Nibelungentreu  bemühten sie sich, die Schauspieler zu stützen und herauszustreichen. In der allumfassend wirren, gedanklich unreifen Inszenierungslage blieben sie dennoch einfallslos. Noch enttäuschender waren die Darsteller: keine Komödiantik, keine Sprechtechnik (ob Phrasierung, ob Norddeutsch-Verschleifungen), keine Gefühlsüberzeugung. Hat der Regisseur irgendetwas mit ihnen gearbeitet?

Inhaltlich riss Kimmig Künstlerschaft und Medienöffentlichkeit an, ohne das weiterzuführen. Den heute wie zu jeder Zeit aktuellen Karrieristen nahm er gar nicht zur Kenntnis. So blieb es bei einer Inszenierung, die im Stadium der dritten Probenwoche als Premiere herauskam. Ein Festspiel-Fiasko.

P.S.: Das Stück selbst ist wirklich spannend!

Weitere Vorstellungen

Am 28. und 31. 7. sowie 2., 4., 6., 7., 9. 8.; Karten unter Telefon 0043/ 662/ 80 45 500.

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