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Souveräne Geigen-Diva: Anne-Sophie Mutter spielte Tschaikowskys Violinkonzert.

Salzburger Festspiele

Anne-Sophie Mutter: Die mit der Goldkante

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Salzburg - (Ge-)Denkwürdiges von Anne-Sophie Mutter und Riccardo Muti: die Kritik zu Tschaikowskys Violinkonzert in Salzburg.

Standing Ovations habe es damals gegeben, sagt Helga Rabl-Stadler in ihrer kurzen Rede. Und so, wie Frau Festspielpräsidentin ihren Tonfall wählt, ist das weniger Bericht aus glorreichen Karajan-Zeiten, sondern unverhohlene Mahnung. Zaunpfahlwink verstanden: Bald nach dem Schlussakkord reißt es alle im Großen Festspielhaus von den Sitzen – auch heute, exakt 30 Jahre nachdem Anne-Sophie Mutter Tschaikowskys Violinkonzert hier in Salzburg unter dem heiligen Herbert gespielt hat.

Wie sich das damals angehört hat, lässt sich mittels CD nachvollziehen, die im Foyer angeboten wird. Jetzt, mit Riccardo Muti, fällt das Ergebnis anders aus. So, als habe man das Schlachtross der Violinliteratur auseinandergenommen, die Teile geputzt, gefeilt, genau betrachtet und wieder zusammengeschraubt, klingt es Anno 2015. Das Selbstbewusstsein der souveränen Geigen-Diva springt einem aus jeder Note entgegen. Auch, weil Anne-Sophie Mutter auf immer wieder Staunen erregende Weise alles glückt: nicht nur der bauschende Klang mit der Goldkante, auch die vibratolosen Fahlfarben im Mittelsatz oder die riskante Attacke im Finale.

Ein Fest des Rubato, des schönen Augenblicks wird mit den Wiener Philharmonikern gefeiert, die gentlemanlike auf jedes Angebot des Superstars eingehen. Manches driftet ins Episodenwerk. Doch dass ein alter Schlager mit neu ausgehörter Frische serviert wird, ist das Ereignis dieser Matinee. Die ist übrigens aus mehreren Gründen denkwürdig. Nicht nur Anne-Sophie Mutters „Dreißigjähriges“ wird gefeiert, gedacht wird auch ihres Mentors: Der 15. August war damals traditioneller Karajan-Konzerttag bei den Festspielen.

Ihm zu Ehren spielt die Solistin nicht nur ihre Bach-Zugabe, ihm wird gleich die ganze Veranstaltung gewidmet. Und das schlägt sich schwer nieder auf den Brahms nach der Pause: Die zweite Symphonie tönt weniger nach Pastorale, sondern nach Requiem. Abgeklärt, unter schwerem Melancholie-Ballast erhebt sich der Kopfsatz. Muti, das ist zu hören, hat auch hier mit den Philharmonikern detailgenau geprobt. Bis auf die effektvoll hochgerissene Final-Coda ist nichts auf Wirkung gespielt. Der Augenblick, der geschmackvolle Übergang, das sotto voce herausgehobene Detail, all das ist wichtiger als der dramatische Zug. Brahms wie ein schwerer, reifer Rotwein: eher etwas für den Absacker abends als für die Feiertagsmatinee.

Markus Thiel

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