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Lang Lang spielte Franz Liszts erstes Klavierkonzert.

Salzburger Festspiele: Sie nahmen sich die Freiheit

Salzburg - Brillant: Das Konzert der Wiener Philharmoniker mit Dirigent Mariss Jansons und Pianist Lang Lang am Flügel begeisterte das Publikum bei den Salzburger Festspielen.

Mag man die Salzburger Opern in diesem Jahr teils zu verschroben, teils zu altväterlich gefunden haben, die Schauspiele teils langatmig, teils grell – für die Konzertauswahl von Markus Hinterhäuser in seinem leider einzigen Intendantenjahr gibt es nur Zustimmung. Auch die erprobte Verbindung von Mariss Jansons mit den Wiener Philharmonikern hielt bei einem für beide Partner idealen Programm, was sie versprach.

Strawinskys „Petruschka“, vor genau 100 Jahren von Pierre Monteux als Ballett uraufgeführt, braucht keine Bühne, wenn Jansons allein über seinen Körper in jeder Note das Puppenspiel um Petruschka, Ballerina und den Mohren erzählt. Der volksliedgesättigten, vor allem von den Holzbläsern bestimmten Jahrmarktsatmosphäre gibt er zu Beginn etwas nur Geahntes, ein bezauberndes „Als ob“, das den Zuhörer magisch auf den Rummelplatz und in seinen krausen, von sich überlagernden Instrumenten herrührenden Lärm hineinzieht. Die Trompete, das beschwipste Fagott, die kristalline Flöte – sie können Bögen spinnen, die man nie wieder anders hören möchte. Wenn ein so durch und durch freier Dirigent vor ihnen steht wie Jansons (man sieht es an seinem lockeren Schultergürtel), können auch die Musiker sich frei entfalten. Ihre glücklichen Gesichter am Schluss sprachen Bände.

Hat man bei den Walzeranklängen in „Petruschka“ schon geglaubt, auf einem Mini-Neujahrskonzert zu sein, dann traf das noch viel eher zu auf den süßen, morbiden Schwung von Ravels „La Valse“, der Apotheose aber auch dem rauschhaften Abgesang auf den Wiener Walzer. In Wien, zeigen die Philharmoniker, wird üppig gestorben, und Jansons ließ sich befeuernd darauf ein.

Lang Lang wird erwachsen. Ein Publikumsliebling war der virtuose Jungpianist aus China schon mit zwanzig. Nun, mit 29, hat er den Ruhm verdient. Wer über einen so weichen, poetischen Anschlag verfügt, weiß, warum er ihn entwickelt hat und kann in die Herzkammern der Stücke eindringen. Daher kommt Liszts erstes Klavierkonzert – Lang Lang spielte es gerade auch unter freiem Himmel in München – nun nicht mehr als Bravournummer eines Fingerfertigen, sondern als pure Musik.

Beate Kayser

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