Vorschau Salzburger Festspiele

„Wir haben keinen Cent mehr“

Salzburg - Die Salzburger Festspiele bieten im kommenden Jahr ein deutlich abgespecktes Programm.

Aus Sicht der Präsidentin muss man es selbstverständlich positiv formulieren. „Wir kehren zu der Praxis zurück, Sachen wieder zu bringen, die sich künstlerisch bewährt haben“, sagt Helga Rabl-Stadler. Wobei künstlerisch: Diese „Sachen“ haben sich vor allem an der Kasse bewährt. Verdis „Troubadour“ mit Anna Netrebko, Bellinis „Norma“ mit Cecilia Bartoli, ein hochkulinarischer „Rosenkavalier“, solche Aufführungen waren ideale Lockstoffe für die internationalen Opernfreunde. Grund genug also, sie für die Salzburger Festspiele im kommenden Jahr aufzuwärmen.

Der Welt teuerstes Festival hat Finanzprobleme. Und Schuld daran habe, so konstatieren die gegenwärtigen Verantwortlichen, der nach Mailand weitergezogene Ex-Intendant Alexander Pereira. Der hatte die vergangenen Salzburger Festspielsommer nicht nur zeitlich ausgedehnt, sondern auch bis zum Bersten gefüllt mit Veranstaltungen. Ursprünglich hatte das Festival nach Auskunft von Rabl-Stadler Rücklagen in Höhe von vier Millionen Euro. „Wir haben nun keinen Cent mehr in der Hinterhand.“ Das schmerze, weil es die Nachfolger einenge.

Die heißen bekanntlich für die kommenden beiden Spielzeiten Helga Rabl-Stadler und Sven-Eric Bechtolf. Der Schauspielchef ist bis 2016 auch für die „künstlerische Gesamtplanung“ verantwortlich. Eine Übergangslösung, bis Markus Hinterhäuser das Festival übernimmt, der es zu neuer künstlerischer und finanzieller Blüte führen soll.

Für Salzburg 2015 heißt das zwischen dem 18. Juli und 30. August: Es wird ein Sparsommer. Das Budget wurde von 64,7 auf 59,6 Millionen Euro reduziert. Lediglich drei Opern-Neuproduktionen gibt es (siehe Kasten). Ursprünglich sollte eine davon eine Uraufführung sein. Doch nachdem György Kurtág mit seinem „Endspiel“ immer noch nicht fertig ist, wurde nun Wolfgang Rihms „Die Eroberung von Mexico“ aus dem Jahre 1992 angesetzt. Das Werk habe „den Praxistest im Repertoire bestanden“, kommentierte Helga Rabl-Stadler diese Wahl.

Da die Firma Montblanc nicht mehr das Young Directors Project unterstützt, kommt es auch nur zu drei Schauspiel-Premieren. Eine davon lässt besonders aufhorchen: Es gibt eine Salzburger Version der „Dreigroschenoper“. Die Rechteinhaber, so verkündete Bechtolf stolz, hätten es tatsächlich gestattet, die bekannten Songs „in völlig neuem Gewand“ zu bringen. Engagiert wurde dafür der britische Theaterkomponist Martin Lowe, Tony- und Grammy-Preisträger. Zur Gegenüberstellung wird einmal die originale „Dreigroschenoper“ in der Felsenreitschule aufgeführt – ohne Regie.

Vergleichsweise billig in den Produktionskosten und trotzdem zugkräftig sind konzertante Opern-Produktionen. Deshalb gibt es 2015 gleich drei davon, selbstverständlich jeweils mit Promis wie Elina Garanča, Piotr Beczala oder Francesco Meli besetzt. Kontinuität, wenn auch in abgespeckter Form, ist beim Musikprogramm auszumachen. Die Reihe „Ouverture spirituelle“ stellt Christentum und den Hinduismus gegenüber, die Wiener Philharmoniker bekommen wieder ihre Serie (und spielen einmal sogar mit jungen Blasmusikanten), Liederabende, Mozart-Matineen und Gastorchester vom Boston Symphony über den Concentus Musicus bis zu den Berliner Philharmonikern komplettieren diese Sparte. Und „Salzburg Contemporary“ widmet sich im kommenden Jahr einem der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit: Anlässlich seines 90. Geburtstages (der eigentlich schon am 26. März ist) wird Pierre Boulez gleich mit neun Konzertprogrammen geehrt.

Markus Thiel

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