Auf Samtpfoten

- Beim genaueren Nachdenken ist es kein Anlass zum Jubeln, sondern eher traurig: Dass ein palästinensischer und ein israelischer Pianist zusammen Mozarts Doppelkonzert KV 365 spielen, sollte schließlich der Normalfall sein - und nicht wie ein Weltwunder bestaunt werden. Anders als ihre Staatenlenker harmonieren Saleem Abboud Ashkar (in Nazareth geboren) und Itamar Golan (von Litauen nach Israel eingewandert) nahezu perfekt.

So perfekt, dass bei den Salzburger Festspielen das Prinzip des Wettstreits in diesem geistreichen Opus völlig unter den Tisch fiel: Mozart auf Samtpfoten, oft weichgespült und dadurch der Harmlosigkeit preisgegeben (Großes Festspielhaus).

Nun trug Riccardo Muti mit den Wiener Philharmonikern auch wenig dazu bei, das Profil zu schärfen. Offenbar hatte man die meiste Probenzeit auf die Uraufführung verwendet: "La giusta armonia" des 1949 geborenen Italieners Fabio Vacci. Der hatte sich einen Text des Mozart-Zeitgenossen und Aufklärers Franz Heinrich Ziegenhagen vorgenommen, illustriert und musikalisch weitergeführt.

Vacci weiß, ein Ensemble wie die Wiener zu bedienen. Klangliche Raffinesse und milde Expressivität verbinden sich zu einer fassbaren, Struktur. Der Fünfzehnminüter behält die Tonalität im Blick, ist versiert geschrieben und gipfelt in einem effektvollen, tänzerischen Finale. Peter Simonischek, Salzburgs Jedermann, sprach den Text wohltuend unaufgeregt und nie künstelnd. Ziegenhagens Klage "Hier sind einige im Besitz übermäßigen Reichtums, dort liegen andere unter dem Joch der Armut" dürfte indes das Gala-Publikum wenig gekratzt haben.

Nach der Pause Mozarts Jupiter-Symphonie, wie man sie von Muti und den Wienern erwartet hatte: Muskelbepackt und groß dimensioniert in den Ecksätzen, intensiver gestaltet dafür Andante und Menuett - Nikolaus Harnoncourt dürfte in einigen Tagen am selben Ort und mit demselben Orchester mehr herauspräparieren.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hisham Matar und sein schwieriges Vater-Land
Hisham Matar erzählt in „Die Rückkehr“ von seiner Heimat Libyen und von der Suche nach seinem Vater, der von Gaddafis Schergen entführt wurde. Dafür wird der Autor in …
Hisham Matar und sein schwieriges Vater-Land
Der Höllen-Glöckner von AC/DC
Zusammen mit seinem Bruder Angus gründete Malcolm Young 1973 AC/DC und schrieb Rockgeschichte. Jetzt ist der Gitarrist nach langer Krankheit im Alter von 64 Jahren …
Der Höllen-Glöckner von AC/DC
Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron
Trotz eines gebrochenen Beins tritt Marilyn Manson in der Münchner Zenithhalle auf. Dort bietet er seinen Fans eine kurze, aber wohl unvergessliche Show - bis die …
Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron
Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Die Wiener-Tatort-Kommissarin Adele Neuhauser erzählt im Interview von ihrer Autobiografie. Mutig aber nicht voyeuristisch - so sollte ihr Buch werden. Nun wird bereits …
Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“

Kommentare