Sanfte Pastelltöne mit einer Portion Zuckerguss

- Während Kollege Pavarotti auf Abschiedstour durch die Welt tingelt, denkt ein anderer von den berüchtigten großen drei des Tenorfachs noch lange nicht ans Aufhören. Zwar werden auch die Opernauftritte von José Carreras zunehmend rarer, doch hat der Spanier dafür inzwischen neue Nischen im Repertoire für sich erschlossen. Etwa die Lieder der "Belle Epoque", die er seinen Fans nun auch in der Münchner Philharmonie vorstellte.

Zu hören war dort ein Programm von Mascagni bis Satie, das auch manche Überraschung parat hielt. Das Quartett "Crisantemi" etwa mögen hartgesottene Fans ja noch kennen, doch dem Liedkomponisten Puccini dürften viele wohl zum ersten Mal begegnet sein. Dessen Canzonen meisterte Carreras dabei ebenso stilsicher wie die feurig schmachtenden Melodien von Tango-König Carlos Gardel.

Über die volle Distanz jedoch war es eher ein Abend der sanften Pastelltöne, verziert mit einer ordentlichen Portion Zuckerguss, der vor allem bei den Liedern von Franz Schreker und Alexander Zemlinsky nicht gerade sparsam aufgetragen wurde. Dass die Sache trotzdem nicht zu kalorienreich ausfiel, lag in erster Linie an der deutlich entschlackten Instrumentalbesetzung.

Denn anders als auf der gleichnamigen CD zum Event, die bei dieser Gelegenheit auch sofort medienwirksam unters Volk gebracht werden sollte, war José Carreras hier nicht mit großem Orchester angereist, sondern vertraute allein auf die dezente Begleitung durch das Nuovo Quartetto Italiano und den Pianisten Lorenzo Bavaj.

Und auch der Startenor selbst übte sich über weite Strecken in vornehmer Zurückhaltung. Keine vokale Kraftmeierei, keine angespannte Jagd von einem hohen C zum nächsten. Stattdessen subtiles sängerisches Gestalten, bei dem Carreras bekannte Qualitäten, wie das immer noch unverwechselbare, inzwischen leicht nachgedunkelte Timbre, gekonnt ausspielte.

Ein wenig tenorales Muskelspiel gab es bei den Zugaben dann zwar doch noch, aber schließlich weiß ein Carreras eben auch, was er seinen Fans schuldig ist.

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