Satiriker und Antisemit

- Ludwig Thoma im Advent - da denkt man sofort an seine derzeit heftig strapazierte "Heilige Nacht". Aber Jörg Hube wäre nicht jener abgründige "Herzkasperl", wenn er Thoma nicht als bleckert'n Satiriker und bohrenden Bayern-G'wissenswurm präsentieren würde. Auch ihn selbst durchleuchtet er kritisch - und das Publikum obendrein.

<P>Denn am Ende des Abends "Ludwig Thoma und seine Zeit" im Münchner Prinzregententheater trägt der Schauspieler einige jener primitiven, abstoßenden Hetztiraden Thomas im "Miesbacher Anzeiger" nach dem Ersten Weltkrieg vor. Beifall. Und ein beunruhigter Hube: "Ich bin mir nicht sicher, ob der Applaus dem Vortrag oder dem Inhalt gilt."<BR><BR>Jedoch: Von Jörg Hube lässt sich das Publikum willig mahnen, um sich anschließend die CD des Thoma-Programms, das von dem recht beschwingten Ensemble Karwendel-Musik umrahmt wurde, signieren zu lassen. </P><P>Naturgemäß steigt Hube ausgesprochen ,obrigkeitsfreundlich mit dem deftigen "Eröffnungshymnus" ein: "Was ist schwärzer als die Kohle? . . . Bayerns neues Parlament . . .", und schiebt Filser-Briefe nach. Aufs Bekannte das Unbekanntere: etwa "Der heilige Hias", der für das ach so gottgefällige und bauchgefüllte Leben des hiesigen Klerus' steht. <BR><BR>Der Schauspieler - zurückgenommen lesend, mit Stimmfülle und Dialekt-Tönungen dezent pointierend - führt zwischen den Thoma-Texten in die Laufbahn des Schriftstellers ein, vom Rechtsanwalt über den "Simplicissimus"-Autor bis hin zum Antisemiten und -demokraten, und erzählt von der damaligen Jahrhundertwende. Thoma begegnet uns, mal g'scheit und spritzig zu Krieg, Europa und Einser-Juristen, mal trostlos dumm und humorlos - zwei völlig verschiedene Männer.<BR></P>

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