Satte Farben

- Was das britische Essen angeht, kommen ja gerade wieder einmal Zweifel auf - aber wie steht es eigentlich mit der britischen Musik? Ist sie wenigstens besser als ihr Ruf? Die Münchner Philharmoniker ermöglichten im letzten Abonnementkonzert der Spielzeit aufschlussreiche Einblicke in die Musik von der Insel (Philharmonie).

Am Anfang die Ouvertüre "Land of the Mountain and the Flood" des schottischen Spätromantikers Hamish MacCunn (1868-1916), die selbst der heikle George Bernard Shaw als "bezaubernd" gelobt hat: ein in satten Farben schwelgendes Tongemälde, dessen Themen schottischen Volkslied-Melodien nachgebildet sind, von den Philharmonikern unter dem gestenreichen britischen Dirigenten Rumon Gamba mit Lust an der Sache zum Leuchten gebracht.Schwelgerisches Pathos, samtene Orchesterfarben verträgt auch Max Bruchs "Schottische Fantasie" für Violine und Orchester - die sentimental verklärte Sicht des Rheinländers auf das ferne, wilde Schottland. Einem der größten Geiger aller Zeiten, Pablo de Sarasate auf den Leib geschrieben, ein Stück von höchster Virtuosität. Julian Shevlin, Konzertmeister der Philharmoniker, bewältigte die akrobatischen Passagen mit Anstand, dennoch gehörten die intensivsten Momente den süffig ausgespielten Melodiebögen der langsamen Sätze.Nach der Pause von verklärter Spätromantik keine Spur mehr: 1935 uraufgeführt, ist William Waltons erste Symphonie ein zerklüftetes Ungetüm, hörbar an Sibelius, Prokofjew und Schostakowitsch orientiert. Kein "schönes" Stück und von einer blechschwangeren Aggressivität, der man sich nur schwer entziehen konnte. Am Ende leicht verunsicherter Applaus und ein von einem Groupie ausgerolltes, selbstgemaltes Plakat: "Vielen Dank, Münchner Philharmoniker, für die Saison 2004/2005". Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

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