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Saxofonist Klaus Kreuzeder (64) ist gestorben.

Im Rollstuhl zum Welterfolg

Saxofonist Klaus Kreuzeder (64) gestorben

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München - Sein Rollstuhl war sein Markenzeichen, genauso wie sein unverwechselbarer Saxofon-Sound. Klaus Kreuzeder spielte mit Megastars wie Sting und Stevie Wonder. Jetzt ist er gestorben.

Der im fränkischen Forchheim geborene Musiker verstarb am Montag im Alter von 64 Jahren nach langer Krankheit in seiner Münchner Wohnung, wie der LangenMüller Verlag am Dienstag mitteilte. Dort hatte er 2010 seine Autobiografie „Glück gehabt“ veröffentlicht.

Mit anderthalb Jahren war Kreuzeder an Kinderlähmung erkrankt und seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Erste Erfahrungen mit Blockflöte, Mundharmonika, Kindertrompete und Melodica machte er aus therapeutischen Gründen - seine geschwächten Lungen sollten gestärkt werden.

Bald hatte er den Wunsch, Profi-Musiker zu werden, und der war so stark, dass ihn seine Behinderung davon nicht abhalten konnte. In den 1970er Jahren spielte er in der fränkischen Jazzrock-Gruppe Aera und wurde Profimusiker. Drei Jahrzehnte war er als Tenorsaxophonist weltweit unterwegs.

Sein starker Wille und seine eiserne Disziplin brachten ihn in die erste Liga der Saxofonisten. Der BR bezeichnet ihn als "Münchner Institution", doch er war weit über die Grenzen der Landeshauptstadt bekannt. So trat er gemeinsam mit Jazz- und Rockgrößen wie Sting, Al Jarreau, Stevie Wonder, Gianna Nannini, Konstantin Wecker und Udo Lindenberg auf. 1996 spielte er als Kulturbotschafter mit seinem Duo "Sax as Sax can" bei den Paralympics in Atlanta und war 2003 im Münchner "Tatort" mit dem Titel "Dreimal schwarzer Kater" zu sehen.

Neben seiner musikalischen Karriere engagierte sich Kreuzeder sehr für die Anliegen behinderter Menschen. Unter den vielen Auszeichnungen, die er bekam, finden sich der Kulturpreis der Stadt München, der Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung und der Wilhelm-Hoegner-Preis. 2010 nahm er für die Grünen als einziger bayerischer Nicht-Politiker als Delegierter der Bundesversammlung an der Wahl zum Bundespräsidenten teil.

2013 zog sich Kreuzeder von der Musik-Bühne zurück, nachdem es ihm gesundheitlich immer schlechter ging. Er arbeitete weiter als Autor und hielt Vorträge, in denen er auf sein bewegtes Leben zurückblickte. „Irgendwie habe ich durch meinen Beruf so unglaublich viele schöne Dinge erlebt, die ganze Welt gesehen, unglaubliche Musiker kennengelernt und dadurch Wahnsinns-Erfahrungen gemacht, von denen ich jetzt zehren kann“, sagte er noch im vergangenen Jahr in Taufkirchen.

Zuletzt plante er noch ein Buch zu schreiben, in dem er seine Erinnerungen von den vielen Reisen in die ganze Welt und den zahlreichen Begegnungen mit anderen Weltstars festhalten wollte. Abschließen konnte er es wohl nicht mehr. 

"Enorme Lebensfreude und unverwüstlicher Optimismus": Trauer um Kreuzeder

Kreuzeder habe seinen Zustand nie als Behinderung angesehen, eher als Privileg, Dinge anders machen zu dürfen und seinen Lebens- und Karriereweg selbst zu bestimmen, erläuterte der LangenMüller Verlag. „Bei allem, was er tat, versprühte er eine enorme Lebensfreude und einen unverwüstlichen Optimismus, die ansteckend wirkte.“

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher zollte Kreuzeder Respekt für seinen Lebensmut: „Statt an seinem Schicksal der Kinderlähmung zu verzweifeln, kämpfte er, eroberte sich die Welt der Musik und erhob seine Stimme für Menschen mit Behinderung. Er war ein großer Musiker mit einem großen Herzen.“

Die Landtags-Grünen würdigten ihren politischen Wegbegleiter. „Klaus Kreuzeder hat uns nicht nur mit seiner Musik und mit seiner positiven Lebenseinstellung bereichert“, sagte Fraktionschefin Margarete Bause. „Er hat sich als Künstler von Weltrang, der seit seiner Kinderlähmung an den Rollstuhl gefesselt war, selbst für die Integration von Menschen mit Handicap in unsere Gesellschaft engagiert - lange bevor der Modebegriff Inklusion in aller Munde war.“ Stets habe er seine Stimme gegen Ungerechtigkeit und für die Schwachen erhoben. Bause sagte, der Titel seiner Autobiographie „Glück gehabt“ zeuge von seinem unerschütterlichen Optimismus, aber er bedeute für sie auch: „Wir hatten Glück, dass wir ihn hatten. Mit Klaus Kreuzeder geht einer, der fehlen wird.“

Haakon Nogge/dpa

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