Wimbledon-Siegerin und Ex-Graf-Rivalin mit nur 49 Jahren gestorben

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Edward Jakob von Steinle: "Der Türmer", 1859, korrespondiert in der Ausstellung mit Goethes Versen über "Lynceus, den Thürmer".

Schack-Galerie

Den Staub vom Leib gepustet

Monatelang war sie geschlossen: die Münchner Schack-Galerie. Nach gründlicher Renovierung erstrahlt sie nun in neuem Glanz. Nun wurde sie wiedereröffnet.

Ihr Schlaf war lang und tief. Dann und wann kam ein Besucher vorbei, um nach ihr zu sehen, doch um sie wach zu küssen, bedurfte es mehr als ein paar treuer Liebhaber. Nun hat die Münchner Schack-Galerie nach einem jahrelangen Schlummer und einer achtmonatigen Renovierung ihre Augen wieder halb, das heißt im Erdgeschoss geöffnet. Und auch, wenn die inneren Werte der bedeutenden Privatsammlung des 19. Jahrhunderts dieselben geblieben sind, so hat sich ihre Ausstrahlung doch stark verändert.

Man hat ihr gehörig den grauen Fünfzigerjahre-Staub vom Leib gepustet, den schalen Teppichboden durch ein glänzendes Parkett ersetzt und die Wände in gewöhnungsbedürftiges Karminrot und Blauviolett gekleidet. Nun erscheinen die Zimmerfluchten in leuchtender, zuweilen theatraler Dramatik statt wie bisher in zurückhaltender Blässe. Denn auch wenn die Schack-Galerie bis heute stolz ist auf den originalen Zustand ihrer Sammlung nebst dem eigens für sie entworfenen Gebäude - die Museumspädagogik von 1909 will niemand rekonstruieren.

Alle 250 Gemälde hingen damals dicht an dicht in der von Wilhelm II. neu errichteten Galerie in der Prinzregentenstraße. Bis zu Schacks Tod war die Sammlung in seinem Palais untergebracht gewesen. Der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894) war 1856 auf Ruf Maximilians II. hin nach München gekommen und hatte hier innerhalb von nur zwanzig Jahren eine wertvolle Sammlung romantischer Malerei erworben, die in enger Verbindung zu Literatur und Poesie, Mythen und Märchen stand.

Darunter noch junge, unbekannte Künstler wie Arnold Böcklin oder Anselm Feuerbach, aber auch Carl Spitzweg, Carl Rottmann oder Moritz von Schwind. Dessen "Vier Tageszeiten" hängen nun auf nachtblauem Grund, vis-a-vis des Mörike-Gedichts "Um Mitternacht", das 22 Jahre früher entstanden ist. Solche Wandgedichte finden sich in jedem zweiten Kabinett und bieten dem Betrachter, gemeinsam mit den kunsthistorisch interpretatorischen Bildbeschriftungen, eine neue Dimension des Dialogs mit den Bildern.

Homers "Odyssee" antwortet auf die Odysseus-Darstellungen Friedrich Prellers d. Ä.; Edward Jakob von Steinles "Türmer" schaut auf Goethes Verse über "Lynceus, den Thürmer". So wolle man den literatur- wie kunstbegeisterten Betrachter ähnlich dem Besucher von vor 100 Jahren zum Verweilen einladen, erklärt Reinhold Baumstark, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Dass man Wilhelm Meisters Zeilen "Kennst du das Land, wo die Citronen blühn" in der hier bald schon kitschigen Abendrot-Stimmung des Raumes mit den Italien-Bildern Leo von Klenzes und Johann Georg von Dillis’ konfrontiert, wirkt dazu allzu einfallslos.

Allein, Lenbachs "Hirtenknabe" träumt immer noch. Und welche Wandfarben werden wohl bald Böcklins "Furien" oder Feuerbachs "Römerin" gerecht werden wollen? Die Bauarbeiten im ersten Obergeschoss beginnen erst nächste Woche, sollen jedoch bis zum 100-jährigen Jubiläum des Gebäudes im September 2009 abgeschlossen sein. Dann soll auch, dank der Spenden zweier Münchner Mäzene, der Schack-Saal als Kopiensaal eingerichtet sein: mit einer Auswahl an Werken venezianischer Malerei von Bellini bis Tizian, als deren Kopist vor allem Franz von Lenbach glänzte.

Öffnungszeiten: Mi-So 10-18 Uhr

Telefon: 089/ 23 80 52 24.

Teresa Grenzmann

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