Weg mit Schaden

- Das ist kein gutes Zeichen: Peter Ruzicka, Intendant der Salzburger Festspiele, verzichtet auf seine Vertragsverlängerung, verzichtet auf eine zweite Amtszeit als Chef des berühmtesten, internationalsten und teuersten Festivals der Welt. Das bedeutet: Am 30. September 2006 - das ist der Festivalsommer zum Mozart-Jahr - ist Schluss.

<P>Gestern, einen Tag vor der Kuratoriums-Sondersitzung, teilte Ruzicka seinen Entschluss offiziell dem Festspiel-Kuratorium mit: "Nach den letztjährigen Salzburger Festspielen haben mich mehrere Mitglieder des Kuratoriums gebeten, für eine weitere Vertragszeit bis zum Jahre 2011 zur Verfügung zu stehen . . . Nach reiflicher Überlegung muss ich Ihnen heute mitteilen, dass ich eine weitere Amtsperiode . . . nicht wahrnehmen kann. Ich möchte in den darauffolgenden Jahren vermehrt wieder meiner künstlerischen Tätigkeit als Komponist nachgehen. Hierzu gehört besonders auch eine für das Jahr 2008 geplante neue Hölderlin-Oper, deren Komposition eine intensive zeitliche Beanspruchung erfordern wird."<BR><BR>Zu wenig anwesend</P><P>Der Entscheidung vorangegangen waren Vorwürfe des Salzburger Bürgermeisters Heinz Schaden (SPÖ), Ruzicka sei in Salzburg zu wenig anwesend. Dabei bezog sich das Stadtoberhaupt auf die diversen Nebentätigkeiten des Intendanten, der auch als Dirigent ein gefragter Mann ist. Zudem ist Ruzicka als Nachfolger von Hans Werner Henze der künstlerische Leiter der Münchener Musiktheater-Biennale.<BR><BR>Aber genau über dieses kleine, feine Festival der Zeitgenossen hätte Ruzicka in Salzburg stolpern können - wenn er nicht von sich aus und im voraus auf einen neuen Vertrag verzichtet hätte. Denn die selbstbewussten Salzburger werfen ihrem Festspiel-Intendanten unter anderem vor, dass seine Münchner Aktivitäten nicht mit dem Jahr 2004 enden würden. Das aber sei bei seiner Verpflichtung als Salzburger Festspiel-Intendant ab dem Jahr 2002 ausgemacht gewesen. Nun nimmt ihm das Kuratorium übel, dass er auch den Vertrag für die Münchener Biennale 2006 schon unterschrieben habe. Und dies vermutlich auch für 2008 und 2010 tun werde, wenn es nach dem Willen der Kulturreferentin Lydia Hartl geht.<BR><BR>Identität des Künstlers</P><P>Salzburgs Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler: "Für das Mozartjahr 2006 brauchen wir unseren Intendanten ganz." Und ausgerechnet für dieses Jahr soll, so der Vorwurf des Salzburger Bürgermeisters Schaden , noch immer keine konkrete Finanzplanung vorliegen.<BR><BR>In seinem Brief an das Festspiel-Kuratorium geht Peter Ruzicka indirekt auf die Vorwürfe Schadens ein, in Salzburg zu wenig anwesend gewesen zu sein: "Bei meiner Berufung nach Salzburg im Jahr 1999 und den seinerzeit geführten Vertragsverhandlungen war deutlich, dass meine Tätigkeit in Salzburg eine besondere Balance zwischen der Funktion des Intendanten einerseits und der Identität des Künstlers, des Komponisten und Dirigenten, andererseits voraussetzen würde . .. Bei meiner Amtseinführung ist im Übrigen ausdrücklich hervorgehoben worden, dass man sich freue, an der Spitze der Salzburger Festspiele wieder einen Künstler zu sehen."<BR><BR>Und vorbeugend, man könne ihm Erfolglosigkeit vorwerfen, betont Ruzicka, dass die "Festspielsommer 2002 und 2003 zu den künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreichsten der Festspielgeschichte gerechnet werden". "Wirtschaftlich" - das ist belegbar. "Künstlerisch" - das ist Ruzickas ganz und gar subjektive Bewertung. Denn gerade in den künstlerischen Belangen war der Intendant starker Kritik ausgesetzt.<BR><BR></P>

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