News-Ticker: Barcelona-Anschlag: Vierter Verdächtiger von der Polizei festgenommen

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Schäbig und schamlos

- "Jetzt gib mir einen Menschen, gute Vorsicht." Im dritten Akt seines "Don Karlos" lässt Friedrich Schiller König Philipp jenen Stoßseufzer gen Himmel schicken. Wir schließen uns dem Flehen an. Aber es hilft nichts. Auf der Bühne der Münchner Kammerspiele führen uns bis zum bitteren Ende nur aufgemotzte Winzlinge ihre aufdringlichen Faxen vor. Das Theater verkauft sein Publikum für dumm und liefert mit der Premiere des "Dramatischen Gedichts" das Stück über politischen Zwang und Ideale der Freiheit, über Jugend, Liebe und Revolte, über Männerfreundschaft und den Dualismus der Macht den seichten, unernsten Gesetzen der Comedy aus.

<P>Karlos: ein lispelnder Batman. Elisabeth: eine schlecht sprechende Giraffe. Posa: ein blasser Westentaschendiplomat. Eboli: eine alberne Travestiecharge. Philipp: ein verklemmter Popanz. Alle anderen Hoffinsterlinge: so grau wie ihre Anzüge. Die Bühne: ein scheußlich schwarzer Raum mit hohen, schweren Vorhängen. Und der Regisseur: einer, der Schiller einfach nicht gewachsen ist; der nicht kenntlich machen kann, warum er ausgerechnet das Stück inszenieren muss; der Politik und Privates nicht auf die Reihe kriegt; der nach dem Griff in den ausgebeulten Gagkoffer der selbsternannten, selbstverliebten, selbstgerechten Stück-Erneuerer nur noch den Einfall hat, das Ganze in dem heute zu einem Museum umfunktionierten Königspalast spielen zu lassen. So schlecht und langweilig wie diese Aufführung aber ist kein Museum der Welt. Die bayerische Schlösser- und Seenverwaltung sollte wegen Rufschädigung eine einstweilige Verfügung erwirken.</P><P>Ein trauriger Triumph der Schäbigkeit und Schamlosigkeit des billigen Theaters, das man so doch nicht billigend in Kauf nehmen darf. Die erste Verszeile des "Don Karlos" _ "Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende" - ist, wie die Eingangsszene überhaupt, gestrichen. Das passt, denn: Die gute Zeit der Kammerspiele ist längst Geschichte.</P><P>Kürzlich ließ Intendant Frank Baumbauer überraschend selbstkritisch verlauten: "Wir müssen besser werden." Nur muss er endlich damit anfangen, zuerst naturgemäß bei sich. </P>

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