Schätze der Abenteurer

- Unter dem Titel "Exotische Welten" schildert das Münchner Völkerkundemuseum, was die Neugierigen aus dem bayerischen Herrscherhaus der Wittelsbacher an fremden Kulturgütern sammelten.

Die kleinen Kunstkammern hatten ausgedient. Wer sich im 19. Jahrhundert als Herrscher profilieren wollte, der stellte seinen Forschungs- und Wissensdrang unter Beweis und baute dementsprechend große Museen. König Max I. und König Ludwig I. demonstrierten ein weltoffenes Bayern und kauften zwischen 1806 und 1848 Sammlungen aus der ganzen Welt für ein neues ethnographisches Domizil in den Hofgartenarkaden.

Jetzt sind diese frühen Belege "Exotischer Welten" im Münchner Museum für Völkerkunde zu sehen - und zwar genau vor jenen Fresken, die die bayerische Geschichte illustrieren und jahrelang verhängt waren. Das Gebäude, das einst als Nationalmuseum errichtet worden war und in das 1926 die Ethnologen umzogen, trägt so zu einem ganz besonderen Aspekt der deutschen und internationalen Geschichte bei: Die damalige Freude und Verwunderung über die Kunst der Kontinente aus dem höfischen Blickwinkel heraus wird verständlich.

Es war das Recht der Schiffskapitäne, Sammlungen auf ihren Reisen anzulegen - und es war allein ihr Recht, diese für viel Geld wieder zu verkaufen. Hätte es diese Händler nicht gegeben, das Münchner Völkerkundemuseum wäre um viele frühe Raritäten ärmer. Dazu kamen Forschunggsreisende wie die Bayern Spix und Martius mit ihren Unternehmungen in Brasilien, der Römer Martucci mit dem Faible für China oder der Franzose Lamarepicquot, der in Kräfte zehrenden Fahrten Indien erkundete. Ob Südsee und das südliche Afrika (Cook), Sibirien oder Nordamerika (Krusenstern) - die Abenteuerlust war so unermesslich wie der Reiz der Exotik.

Das ist bis heute so geblieben. Das Arrangement im Völkerkundemuseum lässt den Besucher mit spartanischer Beschriftung und einer Präsentation von Einzelobjekten allein bei dem Kunstwerk zurück. Was bleibt, ist das Staunen wie vor hundert Jahren. Neben einer mächtigen Elfenbeinpagode macht ein freundliches Holzgesicht als Allegorie des langen Lebens (China, 18. Jh.) Mut auf Entdeckungen. Im zweiten Raum verdeutlichen Buddha-Figuren eine Formensprache, die bis heute in Mode ist: Ein Juwel ist das Exemplar aus Myanmar (um 1660), in Rot und Gold zieht sich das Gewand über den weißen Marmor. Die Ausgabe aus Birma wurde ab dem 19. Jahrhundert mit seinem sanften Lächeln zum Vorbild für Massenproduktionen.

Geschenke für Europäer waren schon vor 300 Jahren die Elfenbein-Prunkfächer aus Sri Lanka, wo grazile Pfauenköpfe ihren Reichtum in Gold und Edelstein aufspannen. Ähnliches mag für die afrikanischen Lederpuppen gelten, die womöglich die Anfänge der Souvenirmode im 19. Jahrhundert markieren. Am Amazonas bestickte man Fächer aus Eulenfedern und Rinde mit Stachelschweinborsten und lieferte so florales Ornament für kauffreudige Reisende. Und logischerweise stießen auch die hölzernen Kurzskier der Lappen auf reges Interesse. Der Schritt in die Gegenwart der Forschung und des Andenkengeschäfts ist dabei gar nicht mehr so groß.

Bis 24. Februar 2008,

Katalog: 24,80 Euro; Di.-So. 9.30-17.30 Uhr, Tel. 089/21 01 36 100.

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