Schale Schoten

- Er hat sich vor allem als Jurist humoris causa in der deutschen Kabarettszene einen Namen gemacht, nicht nur der Titel seines Programms "Warum war Jesus nicht rechtsschutzversichert?" bleibt in bester Erinnerung.

Warum nur hat Werner Koczwara, der im vergangenen Jahr noch mit einem "Best of" seines Kleinkunstbühnenschaffens auch (in) München begeistern konnte, umgeschult zum schwäbelnden Schmalspurspaßmacher, zum Witzeerzähler, der viel zu oft den kürzesten Weg zum nächsten Brüller sucht? "Der wüstenrote Neandertaler oder Wie aus Affen Bausparer wurden", heißt sein aktuelles Solo, jetzt zu sehen in der Lach- und Schießgesellschaft, doch auf eine Struktur, auf eine - im Sinne des Titels - solide Theorie der Evolution des Häuslebauers wartet man vergebens.

Stattdessen versammelt ein gewisser Dr. Thaddäus Schwaben-Seckl (der Titel ist für 15 000 Euro gekauft) eine schnöde Stammtischrunde, zu der auch ein Pfarrer, ein Versicherungsvertreter sowie die "WvF" ("Witwe vom Franz") gehören. Auf sie projiziert Koczwara allerlei Kalauer, lässt die Trauernde beispielsweise "schwarz tragen und nur noch mit Negern schlafen". So geht's dahin auf der kabarettistischen Kaffeefahrt, die Philosophie des Sparens, der Thaddäus verpflichtet ist, erzeugt schale Schoten wie die vom ins Lokal heimlich mitgebrachten Wein oder die von der Klassik, die man statt im Konzertsaal billiger auch von Straßenmusikanten haben kann.

Richtig gut wird der 48-Jährige immer nur dann, wenn er sich seiner Wurzeln besinnt, sich ins Dickicht von Gesetzestexten hineinarbeitet und ins Unterholz der Bürokratie, wenn er absurde Definitionen sucht und findet. Da ist für (viel zu kurze) Momente der "gelehrte", der rhetorisch brillante Koczwara zurück. Nein, die 15 000 Euro für den "Doktor" sind falsch investiert. Und das will bei einem Schwaben schon etwas heißen.

Bis Samstag, um 20 Uhr. Tel.: 089/ 39 19 97

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