Schampus für alle

- "Das fegt den Himmel mir hell"? - leider versagt, Donner. Denn wie schon 2002 am "Götterdämmerungs"Schluss, als Regisseur Jürgen Flimm Bayreuths Nebelwerfer anschmiss und die - dank des schwülen Klimas - das Festspielhaus einwaberten, verhielt sich's bei der jetzigen "Rheingold"-Wiederaufnahme. Bläulich Gedünst allüberall, der Einzug der Götter allenfalls schemenhaft erahnbar - doch dies nur ein Schönheitsfleck auf einer Inszenierung, die erheblich an Qualität und Geschlossenheit gewonnen hat.

<P>Ob die Verwaltung vorher Schampus für alle orderte? Das ungewöhnlich spiellaunige und aufgekratzte Ensemble machte sich verdächtig. Besonders Alan Titus, der sonst seine Wotan-Kräfte bis zum "Siegfried" spart und sich als gemütlicher Götterpapa bescheidet, gestaltete nun freier, offensiver und nuancierter, genehmigte sich auch effektvolle Ausbrüche. Und agierte damit, ganz stückgemäß, auf einer Augenhöhe mit Hartmut Welkers Alberich: ein kraftprotziges, vokal einschüchterndes Raubein, das sich in der dritten Szene zum Ekel-Chef der Firma Nibelung wandelt, bei dem man später, im finalen Fluch-Gejammer, schon die "Götterdämmerung" dräuen hört. </P><P>Bei allem Respekt vor den "Holländer"- und "Tannhäuser"-Anstrengungen: Erst am dritten Festspieltag fand sich - endlich - ein homogenes, aufeinander klug reagierendes Ensemble. Simone Schröders schön timbrierte Erda gehört dazu, Endrik Wottrichs auftrumpfender Froh, auch Julia Kampe (Freia), Mihoko Fujimura (Fricka), Michael Howard (Mime) und Olaf Bär, als Donner eine Luxus-Besetzung. Arnold Bezuyen würzte den Loge, bei ihm ein feister, fast gemütlicher Fiesling, mit operettigem Puszta-Charme, überzeugte durch virtuos geführten, oft stechenden Tenor. Einzig Johann Tilli (Fasolt) und Philip Kang (Fafner) hielten stimmlich nicht ganz mit dem Erscheinungsbild als Monumental-Indianer Schritt. </P><P>Dirigent Adam Fischer blieb in engem Kontakt zu den Solisten, traf exakt den flexiblen, parlandohaften Ton des Stücks - für orchestrales Imponiergehabe nutzte er die Zwischenspiele samt abschließendem Bläser-Gepränge. Und Jürgen Flimm liegt das Boulevardeske des "Rheingolds", seine moussierende Hintergründigkeit sichtlich. Es menschelt eben: Aufstieg, Intrigen und Fall eines neureichen Bauunternehmers erzählt er mit leichter Hand, entwickelt plastische, schillernde Charaktere - falls diese nicht gerade in der Nebelsuppe verschwinden. <BR></P>

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