Nur ein Schatten

"Novecento" im Gärtnerplatztheater: - Eine seltsame Mannschaft hat sich hier versammelt auf dem Passagierschiff "Virginian". Ein klaustrophobisch veranlagter Kapitän, der im Rettungsboot schläft, ein blinder Steuermann, und auch der stotternde Funker scheint nicht gerade für seinen Job prädestiniert zu sein. Und da gibt es noch Novecento, den Pianisten, der als Baby an Bord ausgesetzt wurde und das Schiff sein Leben lang nicht mehr verlassen sollte.

Seine Geschichte ist es, von der Dirk Lohr im Foyer des Gärtnerplatztheaters erzählt. Keine einfache Geschichte, mehr schon eine "Legende vom Ozeanpianisten", wie Alessandro Bariccos berühmtes Buch heißt. Lohr schlüpft dabei in die Rolle von Novecentos Freund Tim Tooney, der anfangs mitten unter den Zuschauern an der Bar lehnt, sich erst einmal eine Zigarette genehmigt, ehe er beginnt und das sanft aus den Lautsprechen rauschende Meer den ersten Takten vom Klavier weicht.

Während bei der Filmversion Altmeister Ennio Morricone für die Musik verantwortlich zeichnete, stammen die Chansons und Klavierstücke dieser von Julia Riegel inszenierten Fassung aus der Feder von Charles Kálmán, der die Stimmung der Zwischenkriegsjahre mit Jazz, Blues und Ragtime treffend einfängt.

Im Gegensatz zu Lohr, der eloquent von der merkwürdigen Geschichte berichtet, dabei ab und zu auch ein paar kurze Lieder einstreuen darf, ist Andreas Kowalewitz als Stellvertreter Novecentos auf sein Klavier als einziges Ausdrucksmittel angewiesen und nützt vor allem das fiktive Tastenduell zwischen dem schüchternen Ozeanpianisten und Jelly "Roll" Morton, um sein Können unter Beweis zu stellen. Sonst hält er sich meist diskret im Hintergrund, ganz wie Novecento selbst, der nur in seiner Musik lebt, als Person aber letztlich nur ein Schatten bleibt.

Termine:

heute, 6. März 2007 10. März 2007 19. März 2007

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